Villa in Verzug

Jahrzehnte saß in dieser Villa im Dresdner Vorort Blasewitz der Landesbischof. Als er ins Stadtzentrum zog, wurden Erwachsenenbildung, Frauen- und Männerarbeit die neuen Mieter – zumindest auf dem Papier. (Foto: Steffen Giersch)

Jahrzehnte saß in dieser Villa im Dresdner Vorort Blasewitz der Landesbischof. Als er ins Stadtzentrum zog, wurden Erwachsenenbildung, Frauen- und Männerarbeit die neuen Mieter – zumindest auf dem Papier. (Foto: Steffen Giersch)

In der früheren Bischofsvilla sollte im Januar das neue Zentrum für Bildung und Begegnung eröffnen – doch es gibt zu viele offene Fragen.
 

Eigentlich sollte das Haus in der Dresdner Tauscherstraße ein Beispiel werden, wie aus Kürzungen etwas Neues entsteht. Doch die am 5. Januar geplante Eröffnung des Zentrums für Bildung und Begegnung der Landeskirche mit Bischof und Gottesdienst fällt aus.

Die Idee war von Anfang an kühn: Bei Evangelischer Erwachsenenbildung, Männer- und Frauenarbeit wurden fünf Stellen gestrichen – und zugleich sollte unter dem Dach der früheren Bischofsvilla ein Mehrwert entstehen. »Es soll ein Kompetenzzentrum werden für die Themen Familie und Generationen«, sagt der zuständige Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer.

Doch während die Mitarbeiter aus theologisch ganz verschiedenen Milieus der drei Werke sowie der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen (eaf) die Herausforderung annahmen und im Juni ein Konzept vorlegten, tauchen im Herbst Hürden auf.

Es beginnt beim Namen: Während die Werke dem neuen Zentrum gern den Untertitel »Männer – Frauen – Generationen« geben würden, hätte das Landeskirchenamt dort lieber »Familien« statt »Generationen«. Familie gehöre zum Markenkern der Kirche und sei in der Öffentlichkeit leichter vermittelbar, heißt es im Amt. »Generationen sind mehr als nur Familie«, erwidert Pfarrer Karl-Heinz Maischner, der Leiter der drei Werke. »Das Thema wird in Zukunft immer wichtiger.«

Auch wie die Spitze der drei Werke bei bleibender Selbstständigkeit und mit einem gemeinsamen Pfarrer als Leiter aussehen soll, ist zwischen ihnen und dem Landeskirchenamt noch strittig. Schließlich sind da noch die Räume der Bischofsvilla, deren Nutzung schon jetzt an Grenzen stößt – dabei sind Männerarbeit und eaf noch gar nicht eingezogen.

Die aus ganz Sachsen anreisenden Mitarbeiter der Männerarbeit treffen sich zu ihren Dienstbesprechungen ohnehin lieber im »Haus der Stille« in Grumbach nahe der Autobahn.

Die Fahrt zum neuen Zentrum im Dresdner Osten wäre »ein extremer Zeitverlust«, so Geschäftsführer Thomas Lieberwirth. Er selbst arbeitet weiterhin von Eppendorf aus, da er viel in Südsachsen unterwegs ist und Teilnehmer seiner Rüstzeiten oft erst abends telefonisch erreicht – nach Büroschluss. »Die wirklichen Schnittmengen mit den anderen Werken sind ganz gering.«

Schlechte Erreichbarkeit, lange Wegezeiten und bauliche Mängel waren auch der Grund für den Umzug des Landesbischofs in Dresdens Innenstadt – nun beträfen diese Minuspunkte das neue Zentrum, sagt der Vorsitzende des Prüfungsausschusses der Landessynode Andreas Eßlinger. Er kritisiert, dass letztlich »sachfremde Erwägungen« den Ausschlag für die Entstehung des neuen Zentrums in der Villa gegeben haben, denn ihr Verkauf wäre für die Kirche nicht lukrativ gewesen.

So arbeiten die drei Werke bisher weiter parallel nebeneinander. Doch Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer erwartet spätestens im nächsten Jahr eine stärkere Zusammenarbeit. »Da sehe ich noch Handlungsbedarf.« Zuvor soll es eine feierliche Einweihung geben – der Termin ist offen.

Andreas Roth

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