Kirche will Kohle mit Wind

Rüdiger Brumme hat die Windräder um Groitzsch ständig vor Augen. Als Vorsitzender des Umweltausschusses des Kirchenbezirks Leipziger Land prüft er, ob Kirchgemeinden eigene Windräder betreiben könnten. (Foto: Jens Paul Taubert)

Rüdiger Brumme hat die Windräder um Groitzsch ständig vor Augen. Als Vorsitzender des Umweltausschusses des Kirchenbezirks Leipziger Land prüft er, ob Kirchgemeinden eigene Windräder betreiben könnten. (Foto: Jens Paul Taubert)

Im Leipziger Land wird geprüft, ob Kirchgemeinden eigene Windräder betreiben können.
 

Wenn Rüdiger Brumme in den grauen Januartagen auf sein Groit­zscher Kirchspiel schaut, dann ist er traurig und fröhlich zugleich. Auf der einen Seite ist das Dorf Pödelwitz mit Kirche und Friedhof: Es wird wegen herannahender Braunkohlebagger in den nächsten Jahren aussterben und verschwinden. Auf der anderen Seite verfolgt Brumme ein Projekt, wonach Kirchgemeinden selbst Windkraftanlagen betreiben könnten, um ein Gegengewicht zur Braunkohleverstromung zu bilden.

Seit gut einem Jahr ist Rüdiger Brumme als Vorsitzender des Umweltausschusses des Kirchenbezirks Leipziger Land mit diesem Projekt beschäftigt. »Die Bezirkssynode hatte uns mehrheitlich damit beauftragt, das Vorhaben vorzubereiten«, sagt der als Hausmeister im Kirchspiel Groitzsch angestellte Christ. Bislang profitieren Kirchgemeinden lediglich durch die Verpachtung von Flächen an Betreiber von Windenergieanlangen oder durch Geld, das als Entschädigung für die Abstandsflächen zu Windrädern gezahlt wird.

»Die Verpachtung für Windkraftanlagen ist keine Seltenheit«, sagt Oberkirchenrat Christian Richter, Leiter des Grundstücksamtes der sächsischen Landeskirche. Ein Kirchenwindrad halte er für ein gutes Symbol: »Der Windmarkt ist boomend, das stünde uns schon gut zu Gesicht.« Das unterstreicht auch der Umweltbeauftragte der Landeskirche, Heiko Reinhold. Er zitiert den Appell der Landessynode an den Freistaat, die Braunkohle »so bald als möglich durch regenerative Energiequellen« abzulösen.

Die Investition ist allerdings eine ungleich höhere als beispielsweise in eine Photovoltaikanlage, wie sie Rüdiger Brumme seit drei Jahren auf dem Pfarrhaus in Auligk hat. Statt mit 25.000 Euro müsse für ein Windrad mit etwa drei Millionen Euro gerechnet werden, schätzen Brumme und Reinhold. Statt klassischer konservativer Geldanlage wäre das eine Investition nicht ohne Risiken für Kirchgemeinden, weiß der Umweltbeauftragte.

Oberlandeskirchenrat Reinhard Kersten, Finanzdezernent im Landeskirchenamt, meint dazu: »Wenn die Gemeinden dafür genügend Geld haben und von der Landeskirche nichts benötigt wird, habe ich prinzipiell keine Einwände.« Ein Gespräch dazu zwischen dem Umweltausschuss und dem Landeskirchenamt im Dezember musste wegen Krankheit ausfallen, soll aber baldmöglichst nachgeholt werden, bestätigen Teilnehmer.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist schon weiter: Im dritten Quartal des Jahres sollen eigene Windräder gebaut werden, sagte ein Pressesprecher.

Uwe Naumann

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