Der Neue

Der Kölner Dom war bisher das geistliche Zuhause des neuen Dresdner Bischofs Heiner Koch. Foto: Robert Boecker/KNA

Der Kölner Dom war bisher das geistliche Zuhause des neuen Dresdner Bischofs Heiner Koch. Foto: Robert Boecker/KNA

 

Heiner Koch wird der neue Bischof der Katholiken in Sachsen. Doch wer ist der Rheinländer – und wofür steht er? 

Vielleicht sagt eine Geschichte einiges über den Menschen, den der Papst am vergangenen Freitag zum neuen katholischen Bischof von Dresden-Meißen ernannt hat. Eine Geschichte über den Kölner Weihbischof Heiner Koch, die der langjährige WDR-Kirchenredakteur Ulrich Harbecke erzählt. Vor einigen Jahren, als ein Priester des ehrwürdigen Kölner Domes sich in eine Frau verliebt hatte und von seinem Kardinal darum »wütend verfolgt wurde«, so erinnert sich der Journalist, »da hat Heiner Koch deutlich und treu zu dem Priester gehalten«.

Dabei sei der Weihbischof durchaus ein Konservativer und kein Reformer oder gar Revoluzzer. Doch der engagierte Katholik Harbecke, der manchen Strauß mit dem als erzkonservativ geltenden Kölner Kardinal Meisner ausgefochten hat, findet für dessen Stellvertreter Koch nur gute Worte: Ein munterer, witziger, plauderbereiter und schwellenloser Mensch sei er. Einer, der zuhört.

Eines fällt bei Heiner Koch auf: Auch Kritiker der Kirchenhierarchie reden gut von ihm. Da ist der Düsseldorfer Priester Günter Fessler, der vor Jahren ein Netzwerk für eine geschwister­liche Kirche mitgegründet hat. Kardinal Meisner wollte nicht mit ihm und seinen Mitstreitern auf Augenhöhe sprechen und maßregelte Fessler – Heiner Koch indes, damals Leiter für Seelsorge im Bistum Köln, sandte ihnen Kirchenjuristen zur Beratung und half Fessler später, dass er als Polizeipfarrer wieder Fuß fassen konnte, erinnert sich der Priester. »Das spricht für seine Offenheit.«

Und da ist Christian Weisner, der Sprecher der Kirchenvolksbewegung »Wir sind Kirche«. Er hat Heiner Koch im Kölner Dom bei einem Gottesdienst am 1. Mai erlebt. »Ich hatte den Eindruck, dass er durchaus sehr sozial engagiert ist«, sagt Weisner. »Und beim Kölner Weltjugendtag 2005 hat er eine herausragende Rolle gespielt.« Koch war Generalsekretär des Treffens von über einer Million katholischer Jugendlichen im August 2005.

Bis dahin durchmaß der 1954 geborene Düsseldorfer eine lupenreine rheinisch-römische Biographie. Katholisches Elternhaus, Ministrant, Jugendleiter, nach dem Studium Jugendseelsorger und Hochschulpfarrer, dann leitende Funktionen im Erzbistum Köln für den Seelsorgebereich. Nach dem erfolgreichen Weltjugendtag erhob ihn der Papst 2006 zu einem der drei Kölner Weihbischöfe, die Kardinal Meisner unterstützen.

Aber natürlich steht Heiner Koch auch mit Bischofsstab mitten in den Konflikten seiner Kirche. Und bezog Stellung. Zur Streitfrage, ob wiederverheiratete Geschiedene am Abendmahl teilnehmen dürfen, sagte er entschieden Nein: »Immer dem Zeitgeist hinterher zu hecheln wäre denkbar schlecht.« Die Ehelosigkeit der Priester verteidigt er als »Zeugnis dafür, dass wir an einen persönlichen Gott und seine Liebe glauben, der ein menschliches Leben erfüllen kann«.

Die Zusammenlegung von Kirchgemeinden im Kölner Bistum befürwortete er ebenfalls, auch wenn er in der Zentralisierung kein Allheilmittel sieht. Als jedoch die Laien einer Bonner Gemeinde gegen die Versetzung von Priestern aufbegehrten und sich vom Bistum übergangen fühlten, konnte Koch das Vorgehen selbstkritisch bewerten: »Das war ein ­Fehler.«

Der Umzug vom Rhein an die Elbe wird für Koch nach seiner Amtseinführung am 16. März ein Klimawechsel: Von der katholischen Hochburg, in der neben dem Dom alle anderen Kirchen im Schatten stehen, in die Diaspora, in der Katholiken und Protestanten eng zusammenarbeiten. Zusammenarbeiten müssen. Der neue Bischof scheint das verstanden zu haben, wenn er in seinem ersten Brief an sein Bistum betont: »Ich freue mich sehr auf die ökumenischen Begegnungen.«

Eines aber wird dem Rheinländer mit Sicherheit fehlen: Die Prinzengarden Köln und Siegburg, deren Regimentsbischof er ist. Quasi im Nebenamt. Die karnevalistischen Kompetenzen bringt Heiner Koch indes für den christlichen Glauben ein. »Wir müssen als Christen selbstbewusster, auch frecher werden«, forderte er in einem Interview. »Wenn wir weiter Rückzugssignale geben, buddeln wir uns unser Grab.«

Andreas Roth

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