Der Eifer in Mali befremdet

Manchmal verschafft einem ein Blick in die alten Bekenntnisschriften Klarheit über den Auftrag der evangelischen Kirche. »Ich soll vielmehr alle Rachgier ablegen, mir auch nicht selbst Schaden zufügen oder mich mutwillig in Gefahr begeben. Darum hat auch der Staat den Auftrag, durch seine Rechtsordnung das Töten zu verhindern.« Das steht im Heidelberger Katechismus, formuliert 1563, vor 450 Jahren.

Nicht nur wegen des Jubiläums wäre es gut, daran zu erinnern, gleich ob als Reformierte oder Lutheraner. Denn wieder stehen Christen vor einem Ernstfall in Sachen Friedensethik. In Mali schafft französisches Militär vollendete Tatsachen. Mit einem Eifer und einer Hast, die befremdet.

Wehende Flagge am Rathaus von Keleya in Mali. Foto: Renaud Gaudin, Wikipedia

Wehende Flagge am Rathaus von Keleya in Mali. Foto: Renaud Gaudin, Wikipedia

Wir haben es mit einem komplizierten ethnischen Konflikt zu tun, der in seinen Ursachen, Zusammenhängen und möglichen Folgen selbst für Experten nur schwer zu durchschauen ist. Das Hauptargument für das militärische Eingreifen ist keine unmittelbare Bedrohung, sondern eine Befürchtung: Mali könnte zum Rückzugsgebiet radikaler Islamisten werden. Wieder scheint die Gefahr des Terrorismus alles zu rechtfertigen. Dabei warnen Beobachter, das militärische Eingreifen werde die verfeindeten Islamistengruppen erst gegen die »Ungläubigen« zusammenschweißen und Terroristen mobilisieren. Das Militär scheint nicht die Lösung, sondern könnte erst ein wirkliches internationale Problem schaffen.

Vertreter der evangelischen Kirche sollten daher vor einem militärischen Engagement der Bundeswehr warnen. Wenn EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider »allergrößte Zurückhaltung« anmahnt, ist dies richtig. Aber noch nicht deutlich genug. Christen sollten die Politik ermuntern, auf Vermittlung zu setzen und Flüchtlinge zu versorgen.

Tomas Gärtner

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