Teufelskreis Crystal

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Fast überall heißt es: Kürzen und Sparen in öffentlichen Haushalten. Selten ist von steigenden Zuwendungen die Rede, vor allem im sozialen Bereich nicht. Steigerungsraten sind meist nur auf der anderen Seite zu verzeichnen: bei Bedürftigen, Hilfesuchenden, in Not Geratenen. Und bei Abhängigen.

Gerade beklagt es wieder die Dia­konie, dass ihre Suchtberatungsstellen überlastet sind, weil besonders die Zahl der von Crystal Abhängigen sich in manchen Gegenden innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hat, die Zahl der Beratungsstellen aber nicht. Mitarbeiterstellen wurden nach der letzten Kürzungswelle 2010 sogar abgebaut. Und so haben Berater keine Zeit mehr, in Schulen oder Jugendklubs – wenn es sie denn noch gibt – zu gehen, um über die Drogen aufzuklären.

Nicht nur Jugendliche, auch Erwachsene verfallen den Verlockungen vermeintlich harmloser Drogen wie Crystal. Nicht wissend, dass dieses sehr schnell abhängig macht und zu Hirnschäden ähnlich wie Alzheimer führt. Aber es macht vorübergehend leistungsstark und unbesiegbar.

Bis es zu spät ist, bis die Abhängigkeit zum Schulabbruch oder Arbeitsplatzverlust führt. Ganze Familien werden in Mitleidenschaft gezogen. Weil auch bei Polizei und Bundesgrenzschutz gespart wird – und weil wir keine EU-Außengrenze mehr haben – sind an den Grenzen, über die die Stoffe ins Land kommen, immer weniger Kontrollen vorgesehen.

Ein Teufelskreis nach dem anderen tut sich auf. So kann man den Fachleuten der Diakonie nur zustimmen, die sagen, dass Suchtprävention das einzige Mittel ist, um junge Menschen, die eigentlich in der Gesellschaft gebraucht werden, nicht an die Abhängigkeit zu verlieren. Und dass darin nicht genug investiert werden kann.

Christine Reuther

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