Keine Erschütterungen

Podium in der Leipziger Bethanienkirche (v. l.): Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer, Professor Wolfgang Ratzmann, Bischof Jochen Bohl, Pfarrer Carsten Rentzing und Moderator Andreas Roth, nicht im Bild: Jörg Michel. Fotos: A. Kühne

Podium in der Leipziger Bethanienkirche (v. l.): Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer, Professor Wolfgang Ratzmann, Bischof Jochen Bohl, Pfarrer Carsten Rentzing und Moderator Andreas Roth, nicht im Bild: Jörg Michel. Fotos: A. Kühne

 
In Leipzig wird über homosexuelle Partnerschaften im Pfarrhaus unaufgeregt diskutiert.
 

Zur zweiten Podiumsdiskussion zum Thema »Wie lesen wir die Bibel – und welche Kirche wollen wir sein« waren am 30. Januar etwa 150 Gäste der Einladung des Sonntag in die Bethanienkirche in Leipzig-Schleußig gefolgt. Im Gegensatz zur ersten Diskussion in Chemnitz herrschte im Leipziger Publikum eine deutliche Zustimmung zur Öffnung der Pfarrhäuser für homosexuelle Partnerschaften.

Hörbar war dies besonders bei der Wortmeldung von Pfarrerin Ulrike Franke aus Leipzig. Die Theologin erhielt den stärksten Applaus des Abends, als sie sagte: »Ich liebe seit 21 Jahren meine Frau. Ich bin dankbar für den Kirchenleitungsbeschluss, weil ich deshalb meine Beziehung nicht mehr verstecken muss.« Mit ähnlichen Worten äußerte sie sich auch einen Tag später bei der Diskussion in Plauen.

Den unaufgeregten Eindruck von Leipzig unterstrich der Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff: »In Leipzig hat es keine Erschütterung durch den Kirchenleitungsbeschluss gegeben«, sagte er als erster Redner aus dem Publikum.

Zuvor aber diskutierten Befürworter und Gegner auf dem Podium miteinander. Die Bibelstellen zu Homosexualität seien von »unmissverständlicher Klarheit«, so Pfarrer Carsten Rentzing. Er sehe keine Veranlassung, die Heilige Schrift »gegen den eindeutigen Tenor von Altem und Neuem Testament auszulegen«, sagte der Vertreter der Bekenntnisinitiative. Er wehrte sich gegen entsprechende Bestrebungen der »akademischen Theologie« und sieht einen »garstigen Graben zur Gemeindetheologie«. In seiner Gemeinde habe er den Widerspruch schnell überwunden.

Eine allgemeine Schelte für die universitäre Theologie sei unangemessen, sagte Landesbischof Jochen Bohl. »In Gemeinden herrscht manchmal auch Unwilligkeit, sich der Bibel so zuzuwenden, dass sie Quelle des Erkenntnisgewinns sein kann. Wir wachsen im Glauben, dabei hilft uns die Theologie«, so der Bischof. Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer sagte zu Pfarrer Rentzing: »Ich glaube nicht, dass wir uns einig werden, wie diese Bibelstellen richtig ausgelegt werden.«

Nicht nach der richtigen Auslegung sondern nach der richtigen Position der Bekenntnisinitiative fragte ein Mann aus Dresden, der sich als schwul bezeichnete. „Ich fühle mich nicht wohl bei den Diskussionen, fühle mich als Spielball“, sagte der Gast. „Was haben Sie vor mit uns?“, wollte er schließlich wissen, „was sind ihre Positionen?“ Pfarrer Rentzing antwortete, dass er sich diese Frage nach einer ähnlichen Äußerung in Chemnitz auch schon gestellt habe. „Wir haben Ihnen nichts anzubieten, aber Jesus hat etwas anzubieten. Das Evangelium gilt auch Ihnen“, sagte Rentzing.

Am Rande der Veranstaltung diskutierten Gäste auch über den Rauswurf des Theo-Kreises aus der Leipziger Peterskirche (der Sonntag berichtete). Dabei gab es neben Zustimmung zur Entscheidung des Kirchenvorstandes auch ablehnende Stimmen. Pfarrer Falk Klemm, einer der Sprecher der Bekenntnisinitiative, empfand den Vorgang als »schmerzlich«, da »hier Kirchengemeinschaft aufgekündigt wird«. Nach seinem Wissen sei es aber ein Einzelfall in der Landeskirche Sachsens.

David Keller vom Theo-Kreis hatte mit Bedauern »die verletzenden Statements aus der Petersgemeinde wahrgenommen«. »Unsere Position ist laut Landesbischof eine legitime Position innerhalb der Landeskirche. Wir sind gern jederzeit zum Gespräch mit dem Vorstand der Peterskirchgemeinde bereit«, sagte Keller.

Das Missionswerk in Leipzig teilte nach dem Artikel mit, dass es seine Kapelle dem Theo-Kreis »nicht als Alternative« zur Verfügung stelle. Sie stünde Mitarbeitern und Bewohnern der Häuser des Missionswerkes offen. Unter ihnen befänden sich Theologiestudenten des Theo-Kreises, die sie für deren Veranstaltungen nutzen. »Aus der Nutzung als Gottesdienstraum kann aber keine Identifikation der Ausrichtung des Theo-Kreises mit den Zielen des Evangelisch-Lutherischen Missionswerkes Leipzig gezogen werden«, so Direktor Volker Dally.

Uwe Naumann

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]

Keine Erschütterungen

Podium in der Leipziger Bethanienkirche (v. l.): Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer, Professor Wolfgang Ratzmann, Bischof Jochen Bohl, Pfarrer Carsten Rentzing und Moderator Andreas Roth, nicht im Bild: Jörg Michel. Fotos: A. Kühne

Podium in der Leipziger Bethanienkirche (v. l.): Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer, Professor Wolfgang Ratzmann, Bischof Jochen Bohl, Pfarrer Carsten Rentzing und Moderator Andreas Roth, nicht im Bild: Jörg Michel. Fotos: A. Kühne

 
In Leipzig wird über homosexuelle Partnerschaften im Pfarrhaus unaufgeregt diskutiert.
 

Zur zweiten Podiumsdiskussion zum Thema »Wie lesen wir die Bibel – und welche Kirche wollen wir sein« waren am 30. Januar etwa 150 Gäste der Einladung des Sonntag in die Bethanienkirche in Leipzig-Schleußig gefolgt. Im Gegensatz zur ersten Diskussion in Chemnitz herrschte im Leipziger Publikum eine deutliche Zustimmung zur Öffnung der Pfarrhäuser für homosexuelle Partnerschaften.

Hörbar war dies besonders bei der Wortmeldung von Pfarrerin Ulrike Franke aus Leipzig. Die Theologin erhielt den stärksten Applaus des Abends, als sie sagte: »Ich liebe seit 21 Jahren meine Frau. Ich bin dankbar für den Kirchenleitungsbeschluss, weil ich deshalb meine Beziehung nicht mehr verstecken muss.« Mit ähnlichen Worten äußerte sie sich auch einen Tag später bei der Diskussion in Plauen.

Den unaufgeregten Eindruck von Leipzig unterstrich der Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff: »In Leipzig hat es keine Erschütterung durch den Kirchenleitungsbeschluss gegeben«, sagte er als erster Redner aus dem Publikum.

Zuvor aber diskutierten Befürworter und Gegner auf dem Podium miteinander. Die Bibelstellen zu Homosexualität seien von »unmissverständlicher Klarheit«, so Pfarrer Carsten Rentzing. Er sehe keine Veranlassung, die Heilige Schrift »gegen den eindeutigen Tenor von Altem und Neuem Testament auszulegen«, sagte der Vertreter der Bekenntnisinitiative. Er wehrte sich gegen entsprechende Bestrebungen der »akademischen Theologie« und sieht einen »garstigen Graben zur Gemeindetheologie«. In seiner Gemeinde habe er den Widerspruch schnell überwunden.

Eine allgemeine Schelte für die universitäre Theologie sei unangemessen, sagte Landesbischof Jochen Bohl. »In Gemeinden herrscht manchmal auch Unwilligkeit, sich der Bibel so zuzuwenden, dass sie Quelle des Erkenntnisgewinns sein kann. Wir wachsen im Glauben, dabei hilft uns die Theologie«, so der Bischof. Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer sagte zu Pfarrer Rentzing: »Ich glaube nicht, dass wir uns einig werden, wie diese Bibelstellen richtig ausgelegt werden.«

Nicht nach der richtigen Auslegung sondern nach der richtigen Position der Bekenntnisinitiative fragte ein Mann aus Dresden, der sich als schwul bezeichnete. „Ich fühle mich nicht wohl bei den Diskussionen, fühle mich als Spielball“, sagte der Gast. „Was haben Sie vor mit uns?“, wollte er schließlich wissen, „was sind ihre Positionen?“ Pfarrer Rentzing antwortete, dass er sich diese Frage nach einer ähnlichen Äußerung in Chemnitz auch schon gestellt habe. „Wir haben Ihnen nichts anzubieten, aber Jesus hat etwas anzubieten. Das Evangelium gilt auch Ihnen“, sagte Rentzing.

Am Rande der Veranstaltung diskutierten Gäste auch über den Rauswurf des Theo-Kreises aus der Leipziger Peterskirche (der Sonntag berichtete). Dabei gab es neben Zustimmung zur Entscheidung des Kirchenvorstandes auch ablehnende Stimmen. Pfarrer Falk Klemm, einer der Sprecher der Bekenntnisinitiative, empfand den Vorgang als »schmerzlich«, da »hier Kirchengemeinschaft aufgekündigt wird«. Nach seinem Wissen sei es aber ein Einzelfall in der Landeskirche Sachsens.

David Keller vom Theo-Kreis hatte mit Bedauern »die verletzenden Statements aus der Petersgemeinde wahrgenommen«. »Unsere Position ist laut Landesbischof eine legitime Position innerhalb der Landeskirche. Wir sind gern jederzeit zum Gespräch mit dem Vorstand der Peterskirchgemeinde bereit«, sagte Keller.

Das Missionswerk in Leipzig teilte nach dem Artikel mit, dass es seine Kapelle dem Theo-Kreis »nicht als Alternative« zur Verfügung stelle. Sie stünde Mitarbeitern und Bewohnern der Häuser des Missionswerkes offen. Unter ihnen befänden sich Theologiestudenten des Theo-Kreises, die sie für deren Veranstaltungen nutzen. »Aus der Nutzung als Gottesdienstraum kann aber keine Identifikation der Ausrichtung des Theo-Kreises mit den Zielen des Evangelisch-Lutherischen Missionswerkes Leipzig gezogen werden«, so Direktor Volker Dally.

Uwe Naumann

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