Programmiert auf Freude, nicht auf Scheitern

wzw_06_2013

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
Lukas 18, Vers 31

Auf dem Weg in die Passion nimmt Jesus die Jünger beiseite und sagt zu ihnen, was Lukas hier aufgeschrieben hat. Sie verstehen zunächst nichts. Sie haben keinen Blick für das, was die Propheten schon sahen. Sie haben keine Ahnung, von dem, was bevorsteht. Es geht bergauf, anstrengend und mühsam. Aber irgendwie doch auch verheißungsvoll, was sollen da die düsteren Worte?

»Wir gehen« sagt Jesus: Sie mit ihm und er mit ihnen. Er weiß es: der Menschensohn wird verraten und verleumdet, angeklagt und verurteilt, gefoltert und getötet. Und die Jünger werden scheitern: in ihren Vorstellungen von sich selbst und von ihm. Sie werden erschöpft sein, ängstlich und ohnmächtig. Auf diesem Weg ist keiner nur Beobachter. Sie gehen miteinander in die Passion. Sie sind Zeugen, Mitleidende und Selbstbetroffene.

»Seht« sagt Jesus: Schaut hin und nehmt an, was schwach ist, unzulänglich und ohnmächtig. Seht ohne Angst, mein Leiden und mein Sterben. Seht ohne Verzweiflung, eure eigene Endlichkeit, eure Abgründe, eure Not. Wir sind angelegt auf Erschöpfung, Irrtum und den Tod. Das ist unser Weg. Er führt in die Niederlage und darüber hinaus.

»Es wird alles vollendet werden« sagt Jesus und weist zurück auf die Propheten. Es wird vollendet, was unvollendet war: Der Menschensohn wird auferstehen. Und die mit ihm hinaufgehen, werden nicht nur Beobachter sein, sondern Zeugen, Mitauferstehende, angelegt auf das Leben nicht den Tod, programmiert auf Freude nicht auf Scheitern. »Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem« – Beginn des Leidens und Wurzel der Hoffnung.

Johanna Fabel
, ist Studienleiterin für Reli­gionspädagogik Gymnasien, berufliche Schulen und Vikars­ausbildung am Theologisch-Pädagogischen Institut Moritzburg.

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