In Würde aus dem Amt

hstErst Bundesbildungsministerin Annette Schavan, dann Papst Benedikt XVI.: Der eine Rücktritt kam nicht unerwartet, der andere dagegen sehr. Beide standen unter enormem Druck, die eine von außen, der andere durch die Last des Amtes und seine abnehmende Gesundheit. So unterschiedlich motiviert die zwei Rücktritte sein mögen, eines haben beide Personen unbedingt gemeinsam: Sie schützen mit dem Rücktritt ihre eigene Würde.

Die Entscheidung des Papstes ist aber eine besondere, schon allein weil ein Rücktritt seit Jahrhunderten nicht vorgekommen ist. Trotzdem geht es auch beim katholischen Kirchenoberhaupt um Glaubwürdigkeit, denn als Theologe will Joseph Ratzinger seine Entscheidungen in geistiger Klarheit fällen. Anders als sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. möchte er nicht seine Krankheiten durch das Amt öffentlich zur Schau stellen müssen oder gar die aktive Leitung der Kirche in Gefahr geraten lassen. Vielleicht auch ein Vorbild für kommende Päpste.

Dabei wartet die katholische Basis auf neue Impulse, denn drängende Probleme liegen weiterhin ungelöst auf dem Tisch: die Missbrauchsfälle haben nicht genügend Aufklärung gefunden, in Fragen der Ökumene hat sich nichts bewegt, die Stellung der Frau und ihre Zulassung zum Diakonat muss geklärt werden, der Umgang mit Aids ohne Verhütung ist unzeitgemäß. Der Reformstau in der katholischen Kirche hat sich nicht verringert.

Doch in einem Punkt hat Joseph Ratzinger mit den starren Traditionen der katholischen Kirche gebrochen und wird im Gedächtnis bleiben: Er räumt freiwillig den Heiligen Stuhl für einen jüngeren Nachfolger. Hoffentlich zum Wohle der gesamten Kirche.

Uwe Naumann

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]

In Würde aus dem Amt

hstErst Bundesbildungsministerin Annette Schavan, dann Papst Benedikt XVI.: Der eine Rücktritt kam nicht unerwartet, der andere dagegen sehr. Beide standen unter enormem Druck, die eine von außen, der andere durch die Last des Amtes und seine abnehmende Gesundheit. So unterschiedlich motiviert die zwei Rücktritte sein mögen, eines haben beide Personen unbedingt gemeinsam: Sie schützen mit dem Rücktritt ihre eigene Würde.

Die Entscheidung des Papstes ist aber eine besondere, schon allein weil ein Rücktritt seit Jahrhunderten nicht vorgekommen ist. Trotzdem geht es auch beim katholischen Kirchenoberhaupt um Glaubwürdigkeit, denn als Theologe will Joseph Ratzinger seine Entscheidungen in geistiger Klarheit fällen. Anders als sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. möchte er nicht seine Krankheiten durch das Amt öffentlich zur Schau stellen müssen oder gar die aktive Leitung der Kirche in Gefahr geraten lassen. Vielleicht auch ein Vorbild für kommende Päpste.

Dabei wartet die katholische Basis auf neue Impulse, denn drängende Probleme liegen weiterhin ungelöst auf dem Tisch: die Missbrauchsfälle haben nicht genügend Aufklärung gefunden, in Fragen der Ökumene hat sich nichts bewegt, die Stellung der Frau und ihre Zulassung zum Diakonat muss geklärt werden, der Umgang mit Aids ohne Verhütung ist unzeitgemäß. Der Reformstau in der katholischen Kirche hat sich nicht verringert.

Doch in einem Punkt hat Joseph Ratzinger mit den starren Traditionen der katholischen Kirche gebrochen und wird im Gedächtnis bleiben: Er räumt freiwillig den Heiligen Stuhl für einen jüngeren Nachfolger. Hoffentlich zum Wohle der gesamten Kirche.

Uwe Naumann

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