Frauen im Blick

Kathrin Wallrabe mit ihrem Frauen-Sextett. Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche will mit den Postkarten die Rolle der Frauen während der Reformation würdigen. (Foto: Dietrích Flechtner)

Kathrin Wallrabe mit ihrem Frauen-Sextett. Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche will mit den Postkarten die Rolle der Frauen während der Reformation würdigen. (Foto: Dietrích Flechtner)

Reformationsjubiläum: Postkarten erinnern an sechs Frauen der Reformation.
 
Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche Kathrin Wallrabe bringt mit einer Postkartenserie Frauen der Reformation in Erinnerung.
 

Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Calvin oder Huldrych Zwingli – wenn über das Reformationsjubiläum 2017 geredet wird, stehen vor allem Männer im Mittelpunkt. Dass auch Frauen diesen religiösen Umbruch aktiv prägten, wisse heute kaum noch jemand, meint Kathrin Wallrabe. Diese Lücke in der Lutherdekade und im öffentlichen Bewusstsein will die Gleichstellungsbeauftragte der sächsischen Landeskirche jetzt mit einer Postkartenserie schließen. Sechs »Frauen der Reformation« des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien sind darauf porträtiert. Beispiele, die zeigen, wie mit dem Geist der Reformation auch ein neues weibliches Selbstbewusstsein erwachte.

Die wohl Bekannteste dürfte Katharina von Bora sein, die Gattin Luthers. »Bei Führungen heißt es: Hier ist Katharinas Reich – und dann wird die Küche geöffnet«, meint Kathrin Wallrabe. Bescheiden seien sie gewesen, hätten ihren Männern den Rücken für die wichtigen Dinge frei gehalten – über solche Feststellungen gehe das Lob selten hinaus. »Dabei betreute Katharina als Finanzchefin die Drucklegung der Lutherschriften.« Und nicht nur mit wirtschaftlicher Tätigkeit habe sie sich Respekt erworben, auch mit ihren geistreichen Beiträgen zu den Tischgesprächen und Briefen.

Argula von Grumbach, altbayerischem Adel entstammend, wäre unter heutigen Bedingungen vielleicht Bloggerin, bemerkt Kathrin Wallrabe. Immerhin bediente sie sich eines Mediums, das damals im 16. Jahrhundert gerade entstand: Als eine der ersten Flugschriftenautorinnen stritt sie für die Freiheit der Lehre an den Universitäten und für die Orientierung an der Bibel. Um die 30.000 Leserinnen und Leser erreichte sie damit. Luther, Spalatin und anderen Reformatoren war sie eine ebenbürtige Briefpartnerin.

Eine hochgebildete Frau war auch die italienische Humanistin Olimpia Morata. Die Universität Heidelberg bot ihr sogar einen Lehrauftrag für griechische Sprache an. Nur weil sie früh starb, konnte sie nicht mehr aufs Katheder steigen.

Für Sachsen von großer Bedeutung war Herzogin Elisabeth von Rochlitz. Sie nämlich verhalf hier der Reformation zum Durchbruch, gegen den Willen ihres Schwiegervaters, des Kurfürsten Georg von Sachsen. Und sie sorgte für einen friedlichen Übergang in die neue christliche Ära: Klöster, die andernorts während der Reformation geplündert wurden, ließ sie unangetastet.

Wibrandis Rosenblatt teilte ihr Leben mit drei Reformatoren. Viermal war sie verheiratet, gebar elf Kinder und korrespondierte dennoch mit zahlreichen Reformatorenfrauen.

Brigitta Wallner wiederum war eine einfache Holzknechtsfrau, Mutter von sieben Kindern. Sie schmuggelte in Österreich Bibeln, kam drei Mal dafür ins Gefängnis.

Das Wirken dieser Frauen und ihr Einfluss seien häufig in der traditionellen Geschichtsschreibung verharmlost worden, meint Kathrin Wallrabe. Das neue »Priestertum aller Gläubigen«, das die Reformatoren ausriefen, habe auch Frauen erstmals Möglichkeiten geboten, sich zu entfalten. »Für sie öffnete sich ein Fenster, das später wieder geschlossen wurde.«

Die Postkarten sind ein Gemeinschaftsprojekt von deutschen, österreichischen, holländischen und italienischen Vertreterinnen des Frauennetzwerkes im Lutherischen Weltbund (LWB). Nicht nur anschauen solle man sie sich, sondern ruhig auch verschicken, meint Kathrin Wallrabe. Historische Neugier zu wecken sei das eine. »Wir wollen damit aber auch Impulse geben, damit sich Frauen aktiv an der Gestaltung von Religion und Gesellschaft beteiligen.«

Tomas Gärtner

Die Karten sind zu beziehen über die Gleichstellungsbeauftragte Kathrin Wallrabe, Landeskirchenamt, Lukasstraße 6, 01069 Dresden,
Telefon (03 51) 46 92-106, E-Mail kathrin.wallrabe@evlks.de.

www.evlks.de/frauenderreformation

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]

Frauen im Blick

Kathrin Wallrabe mit ihrem Frauen-Sextett. Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche will mit den Postkarten die Rolle der Frauen während der Reformation würdigen. (Foto: Dietrích Flechtner)

Kathrin Wallrabe mit ihrem Frauen-Sextett. Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche will mit den Postkarten die Rolle der Frauen während der Reformation würdigen. (Foto: Dietrích Flechtner)

Reformationsjubiläum: Postkarten erinnern an sechs Frauen der Reformation.
 
Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeskirche Kathrin Wallrabe bringt mit einer Postkartenserie Frauen der Reformation in Erinnerung.
 

Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Calvin oder Huldrych Zwingli – wenn über das Reformationsjubiläum 2017 geredet wird, stehen vor allem Männer im Mittelpunkt. Dass auch Frauen diesen religiösen Umbruch aktiv prägten, wisse heute kaum noch jemand, meint Kathrin Wallrabe. Diese Lücke in der Lutherdekade und im öffentlichen Bewusstsein will die Gleichstellungsbeauftragte der sächsischen Landeskirche jetzt mit einer Postkartenserie schließen. Sechs »Frauen der Reformation« des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien sind darauf porträtiert. Beispiele, die zeigen, wie mit dem Geist der Reformation auch ein neues weibliches Selbstbewusstsein erwachte.

Die wohl Bekannteste dürfte Katharina von Bora sein, die Gattin Luthers. »Bei Führungen heißt es: Hier ist Katharinas Reich – und dann wird die Küche geöffnet«, meint Kathrin Wallrabe. Bescheiden seien sie gewesen, hätten ihren Männern den Rücken für die wichtigen Dinge frei gehalten – über solche Feststellungen gehe das Lob selten hinaus. »Dabei betreute Katharina als Finanzchefin die Drucklegung der Lutherschriften.« Und nicht nur mit wirtschaftlicher Tätigkeit habe sie sich Respekt erworben, auch mit ihren geistreichen Beiträgen zu den Tischgesprächen und Briefen.

Argula von Grumbach, altbayerischem Adel entstammend, wäre unter heutigen Bedingungen vielleicht Bloggerin, bemerkt Kathrin Wallrabe. Immerhin bediente sie sich eines Mediums, das damals im 16. Jahrhundert gerade entstand: Als eine der ersten Flugschriftenautorinnen stritt sie für die Freiheit der Lehre an den Universitäten und für die Orientierung an der Bibel. Um die 30.000 Leserinnen und Leser erreichte sie damit. Luther, Spalatin und anderen Reformatoren war sie eine ebenbürtige Briefpartnerin.

Eine hochgebildete Frau war auch die italienische Humanistin Olimpia Morata. Die Universität Heidelberg bot ihr sogar einen Lehrauftrag für griechische Sprache an. Nur weil sie früh starb, konnte sie nicht mehr aufs Katheder steigen.

Für Sachsen von großer Bedeutung war Herzogin Elisabeth von Rochlitz. Sie nämlich verhalf hier der Reformation zum Durchbruch, gegen den Willen ihres Schwiegervaters, des Kurfürsten Georg von Sachsen. Und sie sorgte für einen friedlichen Übergang in die neue christliche Ära: Klöster, die andernorts während der Reformation geplündert wurden, ließ sie unangetastet.

Wibrandis Rosenblatt teilte ihr Leben mit drei Reformatoren. Viermal war sie verheiratet, gebar elf Kinder und korrespondierte dennoch mit zahlreichen Reformatorenfrauen.

Brigitta Wallner wiederum war eine einfache Holzknechtsfrau, Mutter von sieben Kindern. Sie schmuggelte in Österreich Bibeln, kam drei Mal dafür ins Gefängnis.

Das Wirken dieser Frauen und ihr Einfluss seien häufig in der traditionellen Geschichtsschreibung verharmlost worden, meint Kathrin Wallrabe. Das neue »Priestertum aller Gläubigen«, das die Reformatoren ausriefen, habe auch Frauen erstmals Möglichkeiten geboten, sich zu entfalten. »Für sie öffnete sich ein Fenster, das später wieder geschlossen wurde.«

Die Postkarten sind ein Gemeinschaftsprojekt von deutschen, österreichischen, holländischen und italienischen Vertreterinnen des Frauennetzwerkes im Lutherischen Weltbund (LWB). Nicht nur anschauen solle man sie sich, sondern ruhig auch verschicken, meint Kathrin Wallrabe. Historische Neugier zu wecken sei das eine. »Wir wollen damit aber auch Impulse geben, damit sich Frauen aktiv an der Gestaltung von Religion und Gesellschaft beteiligen.«

Tomas Gärtner

Die Karten sind zu beziehen über die Gleichstellungsbeauftragte Kathrin Wallrabe, Landeskirchenamt, Lukasstraße 6, 01069 Dresden,
Telefon (03 51) 46 92-106, E-Mail kathrin.wallrabe@evlks.de.

www.evlks.de/frauenderreformation

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