Jesus zerstört, was uns zerstört

andi-braun

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.
1. Johannes 3, Vers 8b

Johanna Fabel ist Studienleiterin für Reli­gionspädagogik Gymnasien, berufliche Schulen und Vikars­ausbildung am Theologisch-Pädagogischen Institut Moritzburg.  Foto: privat

Johanna Fabel ist Studienleiterin für Reli­gionspädagogik Gymnasien, berufliche Schulen und Vikars­ausbildung am Theologisch-Pädagogischen Institut Moritzburg. Foto: privat

Ich ahne: in dieser alten Formulierung von den Werken des Teufels steckt viel mehr, als ich schnell übersetzen könnte. Ob es den Teufel gibt, ob er heute verniedlicht wird oder ob aufgeklärte Menschen überhaupt noch so reden könnten, erscheint gar nicht so interessant. Ich spüre, diese Werke sind Teil meiner Wirklichkeit: Vorbehalte und Hass, Stolz und elitärer Spleen, Gewalt und Gleichgültigkeit, Schwermut, Härte, Verzweiflung.

Es sind nicht nur Vergehen oder Verirrungen im Denken und Handeln des Einzelnen. Es sind auch ungerechte Strukturen und Ideologien, Milieu- und Erziehungsschäden, subtile und offenkundige Manipulationen durch Medien, Mode und Mitmenschen, die Unklarheit, was richtig und gerecht ist. Es sind neue und alte Bedrohungen und Katastrophen, Krankheiten und Tod.

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Ich ahne, dass das letzte Wort mich viel leichter in die Irre führt. Ich spüre, wie ich mir wünsche, er möchte doch reinschlagen und kurz und klein hauen, was mich belastet und beschwert: die kranken Systeme, die Gewalttätigen und Gemeinen, auch meine eigenen zerstörerischen Anteile. Doch der himmlische Schlag, wie ich ihn wünsche, bleibt aus.

»Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre«: Ich ahne: Dass Jesus auf diese Welt gekommen ist, dass er diese Wirklichkeit geteilt und durchlebt hat, ist das Ende für alles was kaputtmacht.

Er zerstört, was uns zerstört, doch ohne jede Gewalt, ohne Beschädigungen, sondern indem er uns schon jetzt seine Kinder nennt: Zusage und Anspruch zugleich.

Johanna Fabel

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