Der Pferdefuß beim Essen

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Im Grunde geht es in der momentanen Aufregung um Tiefkühlkost gar nicht um Fleisch oder Tiere: Viel spannender ist das Tier Mensch. Denn der wichtigste Inhaltsstoff von »Gut&Günstig-­Lasagne« und »Omnimax-Gulasch« ist der Geist des aufrecht gehenden Zweibeiners. Der karrt Abermillionen Tiere über den Kontinent, tötet und zerlegt sie in Riesenfabriken, damit alles schön billig wird, kauft sie dann fein verpackt ein – und staunt jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn der nächste Lebensmittelskandal kommt. Gammelfleisch, Rinderseuche, BSE, Dioxin im Ei. Jetzt eben Pferdefleisch.

So ist der Mensch, könnte man sagen.

Aber nein, er war noch nicht immer so.

Der Sündenfall war die Industriealisierung.

Wie in der biblischen Geschichte von Adam, Eva und dem Baum brachte auch sie Erkenntnis. Fortschritt im Kampf gegen Hunger. Keine Frage. Aber zugleich entstand eine Mauer – in diesem Fall: eine Mauer zwischen den Menschen und ihrer Nahrung, zwischen Mensch und Tier. Ihre Herstellung und auch das Halten und Töten der Mitgeschöpfe wurde hinter ferne Fabrikmauern verbannt. Das senkt die Hemmschwelle hin zur Grausamkeit und öffnete das Tor für die Gier.

Mit Tiefpreisgarantie.

Und Skandal um Skandal.

Die jüdischen Theologen des Alten Testaments wussten: Das, was der Mensch isst, berührt sein Innerstes. Es darf ihm nicht fremd und egal sein, weil es dem Schöpfer Gott nicht fremd und egal ist. Daher die Listen von reinen und unreinen Speisen in der Tora.

Auch wenn Jesus und Paulus am Essen nicht das ewige Leben festmachen und sich in der Bibel weder Tortelloni noch Bolognese finden: Es wird Zeit, ein Stück Heiliges im Essen wieder zu entdecken.

Gesegnete Mahlzeit!

Andreas Roth

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