Schöne Schlachten

schlachtDa gibt es doch Menschen, die haben ihre Freude daran, alte Schlachten nachzuspielen. Sie ziehen alte Uniformen an und fahren alte Kanonen auf, aus denen sie dann mit Knall und Rauch aufein­ander schießen. Aber bitte historisch korrekt.

In diesem Jahr wird es besonders hoch hergehen. Denn da erinnert man sich in der Gegend um Leipzig an die Völkerschlacht vor 200 Jahren. Vom 16. bis 19. Oktober 1813 tobte sie auf den Feldern vor der Messestadt. Nach den vier Tagen lagen dort, wo vorher Getreide wuchs, über 100.000 tote Soldaten in der aufgewühlten Erde. Die Leipziger hatten wochenlang damit zu tun, sie wegzutragen und zu beerdigen.

Und das wird immer mal nachgespielt – nicht das Beerdigen, sondern das Abschlachten. Da gibt es zum Beispiel ein »Scharnhorstfest« im sachsen-anhaltischen Lützen. Dort tobte die Schlacht zwischen Preußen, Russen und Napoleon schon im Mai 1813. Das Gefechtsszenario wird nachgestellt und die Franzosen werden dort auch in diesem Jahr wieder siegen. Abends gibt es einen Fackelzug und im Festzelt spielt die Disco. Im Herbst wird es rund ums Völkerschlachtdenkmal in Leipzig ähnlich zugehen.

Man stelle sich vor, Menschen schwelgen in 200 Jahren in Erinnerungen an die Schlachten des Zweiten Weltkriegs und seine Millionen Toten – bei Bier und Tanz.

Zum Glück haben wir seitdem keinen weiteren Krieg mehr hautnah erlebt. Dabei wäre doch eher das ein Grund zum Feiern: Seit 68 Jahren leben wir im Frieden. Daran zu erinnern, sollten wir nicht müde werden angesichts der Kriege auf der Welt und des atomaren Säbelrasselns aus Nordkorea.

Aber beim Erinnern an Kriege Volksfeste feiern? Das passt nicht zusammen.

Christine Reuther

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