Alles zu seiner Zeit

1194193_32993834Wieder wurde Ostern voller Rituale begangen, wurden Traditionen gepflegt wie bei keinem anderen Fest: ob Tischabendmahl und Fußwaschung am Gründonnerstag, Passionsandachten und -musiken sowie Kreuzwege am Karfreitag oder das Osterfeuer und die mit Osterkerzen gestalteten Gottesdienste am Ostersonntag – mit anschließendem Osterfrühstück und Osterspaziergang. Diese Rituale stärken die christliche Gemeinschaft, machen den Glauben lebendiger und geben Kraft. Aber nur, wenn sie auch verstanden werden.

Wie ist das beim neuen Papst Franziskus, der am Gründonnerstag nicht nur Männern, sondern auch zwei Frauen die Füße gewaschen hat? Skandalös, schreien Kritiker, die eine Lawine bis zur Frauenordination ins Rollen kommen sehen. Na endlich, sagen Befürworter, die in dem Ritual den Kern von Jesu Botschaft der Liebe sehen, die allen gilt.

Was passiert, wenn der Sinn von Ritualen und Traditionen nicht mehr bekannt ist, zeigt sich eben auch zu Ostern: Alle Jahre wieder wird über das Tanz-Verbot am Karfreitag gestritten. Parteipolitisch wird Stimmung gegen die verordnete Ruhe an diesem Sterbetag gemacht, weil Spaß scheinbar keine Grenzen kennt. Freunde laden sich zur Party ein, ohne sich bewusst zu werden, warum sie an diesem Tag überhaupt so viel Zeit haben. Und auch das Ostereiersuchen wird mitunter schon auf den Karsamstag vorverlegt. Der freudige Hintergrund der Auferstehung am Ostersonntag ist vergessen.

Für die Kirchen ist die Diskussion um Feiertagsregeln eine Chance, Nichtchristen den Hintergrund der arbeitsfreien Tage zu erklären. Aber es ist zugleich die Chance, selbst über die Sinnhaftigkeit bestimmter Rituale nachzudenken.

Uwe Naumann

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