Wundersame Rückkehr


Ein 65 Jahre verloren geglaubtes Altarrelief ist in die Marienkirche Rötha zurückgekehrt.

 

Restauratorin Birgit Spiess (l.) und Steffi Bodechtel vom Landesamt für Denkmalpflege setzen das Holzrelief wieder in den Altar der Röthaer Marienkirche ein. Damit kann die Lücke nach 65 Jahren geschlossen werden. (Foto: Armin Kühne)

Restauratorin Birgit Spiess (l.) und Steffi Bodechtel vom Landesamt für Denkmalpflege setzen das Holzrelief wieder in den Altar der Röthaer Marienkirche ein. Damit kann die Lücke nach 65 Jahren geschlossen werden. (Foto: Armin Kühne)

Die Zeit heilt alle Wunden. Nach 65 Jahren trifft das auch auf den Altar der Marienkirche in Rötha zu. Nachdem 1948 in die Kirche eingebrochen und ein Stück des Altars geraubt worden war, gab es keine Hinweise, wo das über 500 Jahre alte Kunstwerk aus Lindenholz abgeblieben war. Ende Dezember 2012 fand es sich im Wohnzimmer eines verstorbenen Mannes im Leipziger Stadtteil Portitz wieder. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit dem Sohn des Verstorbenen kehrte das vom Staub befreite Holzrelief mit der Szene des letzten Abendmahls in dieser Woche in die Kirche zurück.

»Es fügt sich hier auf wundersame Weise etwas zusammen«, sagt Stephan Eichhorn. Als Vorsitzender des Fördervereins zur Restaurierung der Marienkirche hat er sich in den vergangenen zehn Jahren mit vielen Mitstreitern für die ehemalige Wallfahrtskirche eingesetzt. Das turmlose Gotteshaus strahlt innen wie außen in frischen Farben, die Silbermann-Orgel erklingt wie neu und nun kann auch die Leerstelle, die alte Wunde im Altar, geschlossen werden.

»Es ist ein wunderbares Puzzleteil, das hier eingefügt werden kann«, so Eichhorn, der sich als Rechtsanwalt auch für die Rückgabeverhandlungen eingesetzt hatte. »Die Nachbarin des Verstorbenen in Portitz hatte mich angerufen«, erzählt Eichhorn vom wundersamen Auffinden. Es habe jahrzehntelang dort im Wohnzimmer des Mannes gehangen – bis zu seinem Tod. Danach sei über die Rückgabe des nahezu unversehrten Kunstwerkes verhandelt worden. »Über die Einigung haben wir aber Stillschweigen vereinbart«, sagt der Anwalt und möchte keine Details nennen.

Dass das Holzrelief mit der Szene des letzten Abendmahls noch vor Ostern in die Marienkirche zurückkehrt, freut auch Pfarrer Christoph Krebs. »Die Gemeinde ist nur an hohen Feiertagen in dieser Kirche«, sagt der Pfarrer, der sonst in der St. Georgenkirche predigt. Zum Gottesdienst am Gründonnerstag in der Marienkirche werde er in der Predigt natürlich auf das zurückgekehrte Kunstwerk bezug nehmen und auf das letzte Abendmahl anhand des Holzreliefs eingehen.

Allerdings birgt die um 1527 entstandene filigrane Schnitzarbeit aus der niederbayerischen Schule von Hans Leinberger noch ein ungelöstes Rätsel: Bei der Abendmahlsszene ist am rechten Rand ein Engel zu sehen. »Das ist schon sehr ungewöhnlich«, sagt Pfarrer Krebs, der keine vergleichbare Darstellung kennt und über deren Sinn rätselt. Vielleicht bringt die noch ausstehende Restaurierung des Altars mitsamt dem Holzrelief neue Erkenntnisse.

Uwe Naumann

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