Lebensschutz nicht vergessen

wfdlWieder ist »Woche für das Leben« – und kaum einer nimmt sie wahr. Längst hat diese ökumenische Aktionswoche ihren Biss verloren. Die Initiative der evangelischen und katholischen Kirche hat auch in diesem Jahr ein Motto, mit dem kaum einer etwas anzufangen weiß: »Zusammenhalt gestalten«. Das klingt genauso blass und unkonkret wie das Vorjahresmotto »Miteinander der Generationen«.

In klugen Grundsatzreden wird die Wichtigkeit des kirchlich-sozialen Einsatzes betont. Das ist richtig und wichtig. Nur leider mit wenig politischer Strahlkraft. Die ganze Initiative erscheint mittlerweile als tröge Pflichtübung. Dabei gäbe es Hoch-Brisantes zu benennen.

Zum Beispiel den Schutz des ungeborenen Lebens. Immerhin wurde für dieses Anliegen die »Woche für das Leben« 1991 aus der Taufe gehoben. Und auch heute verdiente das Thema Abtreibung Beachtung. Immerhin wurden auch im vergangenen Jahr über 100.000 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt.

Nicht mit dem Holzhammer gilt es in dieser Frage zu agieren. Die betroffenen Frauen sind oftmals in sehr schwierigen Situationen und nicht zu verurteilen. Wohl aber sollte beständig von kirchlicher Seite darauf hingewiesen werden, dass es um Tötung von menschlichem Leben geht. Und dass das nach Gottes Willen nicht sein soll.

Nicht fanatisch und verurteilend sollte eine »Woche für das Leben« eintreten für alles bedrohte Leben. Sondern im Sinne eines Blickwechsels: Weg von der irrigen Annahme, der Mensch könne folgenlos über Leben und Nicht-Leben anderer entscheiden. Hin zu einer Haltung, die das Heilige in jedem Leben anerkennt. Ehrfurcht vor allem Leben ist auch 100 Jahre nach Albert Schweitzers Hospitalgründung in ­Lambaréné dringend notwendig.

Stefan Seidel

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