Kann Steuer Sünde sein?

Uli_HoenessDie Empörung ist groß: Der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, hat Steuern hinterzogen und sich selbst beim Finanzamt angezeigt. Noch ist unklar, um welche Summen es geht. Fest steht: Hoeneß hat sein Geld gehamstert, statt seinen Anteil dem Gemeinwesen beizusteuern.

Nun ist allerorten von Hoeneß als »Steuersünder« die Rede.

Das fremdgewordene Wort »Sünde« feiert fröhliche Wiederkehr. Der Volksmund weiß, dass bei Geld nicht nur die Freundschaft aufhört, sondern oft genug die Sünde anfängt: das egoistische Verhalten, das nur den eigenen Vorteil sucht.

Gott sei Dank wurzelt unser Land noch auf dem Mutterboden biblischer Überlieferung und qualifiziert Steuerhinterziehung als Sünde, nicht als Kavaliersdelikt. Gott sei Dank gibt es noch ein Bewusstsein davon, dass der Einzelne eine Verantwortung für die Gemeinschaft hat und Geld nicht nur zu horten, sondern auch zu teilen ist.

Doch eigentlich kann einem der millionenschwere Fußballboss leidtun. Nicht wegen der bevorstehenden Konsequenzen. Wohl aber wegen seiner offensichtlich unstillbaren Gier, die ihn blind werden ließ für das große Ganze.

»Beneide nie einen Millionär«, sagte einmal der lateinamerikanische Theologe Jon Sobrino und spielte auf die Fesseln des Geldes an. Eine Million genügt nicht, eine nächste muss her – rastlos dreht sich die endlose Spirale des Strebens nach immer mehr.

Jesus hat diese innere Not erkannt. Er ist kein Moralapostel, wenn er dem reichen Jüngling empfiehlt, seinen Besitz zu verkaufen und das Geld zu spenden. Jesus will erlösen vom Mammon, dem falschen Gott der Gier. Jesus weiß: Hängt man nicht mehr am Geld, hat man einen Schatz im Himmel.

Stefan Seidel

Fotoquelle: wikimedia/derivativeFX

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