Liebe braucht keinen Beweis


Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Psalm 66, Vers 20

Elisabeth Roth ist Pfarrerin in Kleinwachau, im Sächsischen Epilepsiezentrum Radeberg. (Foto: Steffen Giersch)

Elisabeth Roth ist Pfarrerin in Kleinwachau, im Sächsischen Epilepsiezentrum Radeberg. (Foto: Steffen Giersch)

Eva setzt ein trotziges Gesicht auf. »Ich bete nicht! Nie mehr!« verkündet sie laut. »Wieso? Du sagst Gott doch jeden Abend, was dich bewegt.«, fragt die Mutter. »Gott hört mir nicht zu. Ich habe für Oma gebetet. Sie ist trotzdem gestorben«, verkündet Eva und zieht sich die Decke übers Gesicht.

Die Mutter setzt sich ans Bett, streicht ihrer Tochter übers Haar und versucht zu erklären. »Oma war alt und hatte viel Schmerzen. Sie wollte sterben. Für Oma ist es gut, dass Gott sie heimgerufen hat.« »Aber ich bin so traurig« schluchzt Eva. »Gott hätte sie doch wieder jung machen können. Aber er hört nie zu. Ich bin ihm egal!«

Zärtlich nimmt die Mutter Eva in den Arm. »Glaubst du, dass Vati und ich dich lieb haben?« fragt sie das Kind. Eva nickt. Daran besteht für sie kein Zweifel.

»Woher weißt du das, Eva? Wir erfüllen dir ja auch nicht alle Wünsche«, fragt die Mutter.

Eva hat darüber noch nie nachgedacht. »Ich weiß das einfach«, meint sie, »ihr sagt es mir ja auch immer. Ihr nehmt mich in den Arm, wenn ich traurig bin. Ihr seid eben lieb zu mir.«

Die Mutter lächelt: »Bei Gott ist das auch so. Er hat uns bei unserer Taufe gesagt, dass Er uns liebt. Er erfüllt nicht alle Wünsche, aber er lässt uns nie allein. So vergibt er uns und hilft uns, einander zu vergeben. Weißt du noch, wie du Vatis Brille zertreten hast, weil er dich geärgert hat?« Eva nickt.

»Weißt du auch noch, dass ihr einander vergeben habt?« Eva nickt wieder. »Wir haben geredet und gebetet und dann waren wir einander wieder gut.«, erinnert sie sich.

»Vergebung ist ein Geschenk Gottes, ein Zeichen seiner Liebe«, erklärt die Mutter. »Daran sehe ich, dass wir ihm nicht egal sind. Und deshalb weiß ich, dass er uns hört.«

Elisabeth Roth

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