Alternative auch für Christen?


Frauke Petry hat die Partei »Alternative für Deutschland« (AfD) mitbegründet, arbeitet im Bundes- und Landesvorstand. Die 37-jährige promovierte Chemikerin leitet eine Firma in Leipzig, ist verheiratet mit Pfarrer Sven Petry (Tautenhain) und hat vier Kinder.

Die Christin Frauke Petry aus Tautenhain bei Geithain hat bei der Gründung der Partei »Alternative für Deutschland« maßgeblich mitgewirkt. (Foto: Adler/Archiv)

Die Christin Frauke Petry aus Tautenhain bei Geithain hat bei der Gründung der Partei »Alternative für Deutschland« maßgeblich mitgewirkt. (Foto: Adler/Archiv)

Was war der Anlass für Sie, sich in der AfD zu engagieren?
Petry: Ich habe den Eindruck, dass die Politik heute nicht das ist, wofür die Menschen gerade im Osten 1989 auf die Straße gegangen sind. Politiker sagen, Steuer- und Finanzpolitik sei nur etwas für Experten und sie reagierten auf die Märkte. Aber wer reagiert denn noch auf den Bürger? Nachdem ich im vergangenen Jahr die Wahlalternative 2013 unterstützt hatte, aus der die Parteigründung hervorging, wurde das Engagement an mich herangetragen.

Sie haben selbst am Parteiprogramm mitgeschrieben. Was ist Ihr wichtigstes Thema?

Petry: Die Eurokrise ist für mich der Ausdruck einer Krise des Gesellschaftssystems. 2008 war in Finanz- und Regierungskreisen die Einsicht da, dass wir insgesamt über unseren Gesellschaftsentwurf nachdenken müssen, weil sich gezeigt hatte, dass mit dem Kapitalismus und immer mehr Wachstum etwas nicht richtig ist.

Sie wollen keine Tabus bei politischen Diskussionen. Was sagen Sie, was andere Parteien nicht sagen?

Petry: Wir sind die einzigen, die fordern, Volksentscheide auf Bundesebene einzuführen. Neben der Euro-Problematik sind wir auch die einzigen, die fordern, dass gewisse Gesetzgebungskompetenzen aus Brüssel wieder in nationale Parlamente zurückkommen. Keine der etablierten Parteien sagt auch, dass die Banken für die Spekulationsprobleme bezahlen sollen, die sie angerichtet haben.

Die Partei bekam den Stempel einer rechtspopulistischen Partei.

Petry: Den sie gerade wieder dabei ist loszuwerden. Der Vorwurf ist eine Reflexreaktion der politischen Konkurrenz. Man wirft uns auch Nationalismus vor. Auch das ist Quatsch, denn keiner von uns will den europäischen Einigungsprozess rückgängig machen. Doch man hätte die Bürger zum Einigungsprozess befragen müssen. Warum ist das nicht passiert? An dieser Stelle wünsche ich mehr Ehrlichkeit.

In den Parteizielen ist die Rede von mehr Selbstverantwortung, mehr Selbstbewusstsein – wo bleiben Solidarität und Soziales?

Petry: Wir setzen Eigenverantwortung nicht über Solidarität, wir sind für Generationengerechtigkeit und für Familien, wollen bessere Bildung für unsere Kinder. Aber wenn wir die Finanzen nicht in den Griff bekommen, dann können wir uns den Sozialstaat nicht mehr leisten.

Wie steht die AfD zu den Kirchen?

Petry: Dieser Punkt fehlt mir persönlich auch noch. Daran müssen wir noch arbeiten. Aber wir fordern nicht die Abschaffung der Kirchensteuer oder anderer Zahlungen, wie sie beispielsweise die FDP fordert.

Was machen Sie, wenn die AfD im Herbst in den Bundestag kommt?
Petry: Dann gehe ich mit, keine ­Frage.

Und Ihre Firma und Familie?

Petry: In der Firma bin ich dabei, meine mögliche Abwesenheit zu regeln. Mein Mann ist Realist und weiß, wie sehr ich mich in der Partei engagiere. Und meine Kinder können das Kommende noch nicht abschätzen.

Die Fragen stellte Uwe Naumann

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