Gott im Mitmenschen sehen


Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.
Jesaja 6, Vers 3

Rila-MonasteryEine wahre Begebenheit: Hanna ist auf dem Heimweg. Sie hört hinter sich das Gespräch zweier Jungen: »Der Kleinen da vorn nehmen wir die Tasche ab.« »Nee, die kenn’ ich. Die geht zur Kirche. Die ist heilig, die Sau.« Die beiden Jungen biegen ab.

Wir wissen nicht, was diese Jungs genau mit »heilig« verbinden, aber vielleicht können wir für uns eine Antwort geben. Was ist für uns »heilig«? Wenn mir im Alltag etwas heilig ist, dann hat es höchsten Wert, ist unantastbar. Dem einen ist es der Glaube, dem andern die Familie, dem dritten die Mittagspause. Aber selbst die beiden Jungs ahnten, dass heiligsein etwas mit Gott zu tun hat. In meiner Beziehung zu ihm entscheidet sich, ob ich heilig bin, ob Gott mir Heiligkeit verleiht. Dem stimmen sicher viele Christen zu: Gott ist heilig.

Aber stimmt auch der zweite Teil des Wochenspruchs: alle Lande sind seiner Ehre voll? Wenn ich wahrnehme, was so alles in der Welt geschieht, dann fällt mir nicht als erstes die Ehre Gottes ein. So viel Elend und Bosheit sehe ich da. Selbst aus dem Heiligen Land kommen vorwiegend schlechte Nachrichten. Vielleicht liegt das aber auch an meiner Wahrnehmung.

»Alle Lande sind seiner Ehre voll« ist ein Wort der Engel. Sie, die ganz nah bei Gott leben, haben wohl einen anderen Blickwinkel auf die Welt. Sie erkennen in der Schöpfung neben allem Schlechten auch die Liebe Gottes. Um Gottes Ehre zu erkennen, muss ich also nicht die Augen vor Üblem verschließen, sondern den richtigen Blickwinkel haben. So schenke es uns Gott, dass wir aus seiner Blickrichtung die Welt sehen und seine Ehre in den Gesichtern unserer Mitmenschen erkennen.

Elisabeth Roth

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