Wo sind all die Millionen hin?

Thomas de Maizière, Bundesminister der Verteidigung

Thomas de Maizière, Bundesminister der Verteidigung

Die Drohnen scheinen sein Fluch zu sein. Erst vor knapp einem Jahr erntete Bundesverteidigungsminister Thomas de ­Maizière (CDU) harsche Kritik für seine Ankündigung, die völkerrechtlich umstrittenen Kampfdrohnen anzuschaffen. Nun droht ihm wegen der spät gestoppten Anschaffung der Aufklärungsdrohne »Euro Hawk« ein schärferer Gegenwind. Denn es geht um viel Geld. Und um die Frage: Hätte die »Euro Hawk«-Drohne nicht viel früher gestoppt werden müssen, weil sie keinen Kollisionssschutz hat und damit für den europäischen Flugraum untauglich ist? Nun sind fünf Jahre ins Land gegangen und rund 580 Millionen Euro in die unbrauchbare Mammut-Drohne geflossen.

Der Schaden ist groß. Man bedenke nur, welche Notstände im Bildungs- oder Sozialbereich mit den 580 Millionen Euro hätten behoben werden können.

Das Drohnen-Desaster fördert aber eine andere Schieflage zu Tage. Während das Militär jährlich Unsummen verschlingt, wird der zivile Friedensdienst kurz gehalten: Über 1,3 Milliarden Euro wurden 2010 für den Afghanistaneinsatz ausgegeben. Für den zivilen Friedensdienst indes nur 29 Millionen Euro.

Das Bündnis »20-Millionen-mehr-vom-Militär« fordert eine kleine Umverteilung: Mit jährlich 20 Millionen Euro könnten 200 Friedensfachkräfte finanziert werden, die dabei helfen, Krieg und Gewalt frühzeitig zu stoppen.

Vielleicht öffnet der »Euro Hawks«-Skandal so manchem Politiker die Augen, dass das Geld beim Militär schlecht aufgehoben ist. Tausende Friedensfachkräfte hätten mit dem für die »Euro Hawks«-Drohne verschwendeten Geld ausgestattet werden können. Die Welt wäre dem Frieden sicher ein Stückchen näher gekommen.


Stefan Seidel

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]