Wortbrocken wie Splitter vom Kreuz

© miguel ugalde
 

Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.
Lukas 10, Vers 16

Der Theologe Stefan Körner arbeitet im Archiv für christliche Popmusik des Liturgiewissenschaftlichen Instituts Leipzig.

Der Theologe Stefan Körner arbeitet im Archiv für christliche Popmusik des Liturgiewissenschaftlichen Instituts Leipzig.

Er spricht in unserem Hauskreis. Die Worte brechen aus ihm heraus wie altes Holz, doch es fehlt ihm das Geschick, sie zu behauen. Es strengt ihn an, seinen spröden Sätzen eine geschmeidige Form zu geben. Einige fallen regellos hölzern zu Boden. Manche greifen wir und nehmen sie auf.

Wir verstehen ihn nur mit Mühe, doch seine Sätze scheinen von einem Ort tief in ihm zu kommen.

Schmerz und Glück umschlingen sich, während er in unserem Kreis stockend von den Jahren in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie redet, aus der er gerade entlassen wurde. Von seiner Erkrankung, seinem Sehnen nach Christus und wie er ihn fand und lieben lernte. Wie er sich ihm anschloss, sein Jünger wurde – dort auf seiner Station. Es bricht aus ihm heraus, wie er die Gnade Gottes schmeckte.

So sagt er es nicht, aber wir ahnen es. »Jesus hat mich lieb!«

Ein zarter Satz zwischen all seinem hölzernen und spröden Reden. Er wirft ihn stotternd zwischen uns. Das tausendfach Gehörte bekommt durch ihn einen neuen Klang. Manche seiner Wortbrocken sind wie Stücke vom Kreuz, an dem ihm ein Gott erschien, der ohnmächtig war wie er.

Die Worte, die aus ihm heraus brechen wie altes Holz, werden zu klingenden Hölzern. Er spielt darauf eine Melodie, die von einer anderen Welt kündet. Er, der Schwache im Reden, weitab von jeder rhetorischen Kunst, ist der kräftigste Zeuge Christi, den wir je hörten.

Wo ist Platz in unseren Gemeinden für diese mächtigen Zeugen? Wo ist der Ort für das raue Holz der Schwachen? »Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.«

Stefan Körner

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