Schon wieder Jahrhundertflut


Wasser, Wasser und noch mehr Wasser – Sachsen wird von einer Flutwelle heimgesucht. Wieder einmal. Die Kirche ist mitbetroffen und versucht zu helfen.

Eine Welle der Einsatzbereitschaft kommt mit der Flut: Freiwillige transportieren Sandsäcke auf einen Damm im Leipziger Südwesten – so wie derzeit an vielen Flüssen in Sachsen. (Foto Susann Friedrich)

Eine Welle der Einsatzbereitschaft kommt mit der Flut: Freiwillige transportieren Sandsäcke auf einen Damm im Leipziger Südwesten – so wie derzeit an vielen Flüssen in Sachsen. (Foto Susann Friedrich)

Die Verabschiedung von Pfarrer Wolfgang Strobel fiel am Sonntag fast ins Wasser. Während des Gottesdienstes in Langenchursdorf bei Glauchau stürmte plötzlich der Bürgermeister in die Kirche. Der sonst so kleine Dorfbach drohe die Straße zu überfluten, sagte er. Es gebe nur noch einen Feldweg, um aus dem Dorf fortzukommen. Draußen veränderte sich die Welt gerade dramatisch: Nach dem Gottesdienst hatte der reißende Bach Teile der Dorfstraße unter Wasser gesetzt.

Seit Sonntag gibt es eine Gewissheit weniger in Sachsen: Dass eine Jahrhundertflut auch wirklich nur einmal im Jahrhundert auftritt. Den Anfang machten kleinere Flüsse und die Mulde am Wochenende. Die Nicolaikirche in Döbeln stand am Sonntag wie 2002 unter Wasser, so wie die gesamte Innenstadt. »Döbeln war eingeschlossen«, sagte Superintendent Arnold Liebers. Er verschaffte sich am Dienstag zusammen mit Landesbischof Jochen Bohl und den örtlichen Pfarrern einen Überblick über die Schäden.

Landesbischof Jochen Bohl zeigte sich in einem Brief an die Kirchgemeinden »erschüttert« über die neue Flut. »Möge Gott verhüten, dass Menschen Schaden an Leib und Seele nehmen und schenke er, dass die Betroffenen auf Hilfsbereitschaft und Solidarität zählen können«, schrieb der Bischof.

Das Landeskirchenamt bekommt erst nach und nach Meldungen über Flutschäden an kirchlichen Einrichtungen und möchte »allen betroffenen Kirchgemeinden und Kirchenbezirken mit Rat und Tat zur Seite stehen«.

freiDSC_2488Schwer betroffen ist, wie schon 2002, Grimma. Der Keller der Frauenkirche mit der gerade neu eingebauten Heizung sei geflutet, der Kirchenraum dank vieler Sandsäcke aber trocken geblieben, sagte der Bornaer Superintendent Matthias Weismann. Die Diakonie in Grimma musste ein Altenpflegeheim evakuieren. »Große Schwierigkeiten haben auch die Sozialstationen im Leipziger Land, um trotz gesperrter Straßen zu den Menschen zu kommen«, berichtete Kornelia Killisch von der Diakonie.

Langsamer, aber um so mächtiger rollt die Flutwelle der Elbe von Tschechien heran. In Bad Schandau stehen Markt und Kirche bereits am Dienstag im Wasser. »Die Menschen gehen beim Ausräumen fast mechanisch zu Werke«, hat Superintendentin Uta Krusche-­Räder beobachtet. »Sie sind wütend und traurig. Für viele geht es um die Existenz, manche haben noch nicht einmal die Kosten der Hochwasserschäden von 2002 abgezahlt.«

An der Schifferkirche Maria am Wasser in Dresden-Hosterwitz beräumte Pfarrerin Ulrike Birkner-Kettenacker bereits am Montag zusammen mit vielen Gemeindegliedern und Handwerkern das Erdgeschoss des Pfarrhauses und verbarrikadierte die Kirchentüren mit Sandsäcken. »Es ist anders als 2002«, sagt die Pfarrerin. »Jetzt wissen wir aus Erfahrung, was auf uns zukommt.« In Dresden-Laubegast holte Kantorin Gerlinde Becker kurzerhand ein paar Passanten von der Straße, um zusammen mit Orgelbauern der Dresdner Firma Jehmlich die kleine Orgel auf zwei Holzböcke zu hieven.

Wenn Pfarrer Bernd Oehler in diesen Tagen durch das geflutete Meißen geht, trägt er oft die Jacke der Notfallseelsorge. Er begleitete Bewohner von Altenpflegeheimen bei ihrer Evakuierung oder spricht mit Geschäftsinhabern, die ihre Läden räumen. Wieder einmal. »Manche fragen: Wie kann Gott das zulassen?« Bernd Oehler hält dann keinen theologischen Vortrag, sondern packt mit an. Seit Dienstag öffnet die Sankt-Afra-Kirchgemeinde in der Domstadt ihre Türen auch für ein tägliches Abendgebet für die Stadt. »Hier kann man Kerzen entzünden und hat die Möglichkeit, mit einem Lied oder einem Gebet zur Ruhe zu kommen«, sagt Pfarrer Oehler.

Uwe Naumann, Tomas Gärtner und Andreas Roth

Spendenkonto der Diakonie Sachsen:
Kontonummer 100 100 100,
Kennwort »Hochwasser 2013«,
KD Bank, Bankleitzahl 350 601 90.

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