Mehrheiten und Minderheiten

bloggerinNun ist Deutschland auch statistisch wiedervereinigt. 24 Jahre nach der letzten Volkszählung in der alten Bundesrepublik und 30 Jahre nach der in der DDR sind beim jetzt veröffentlichten Zensus 2011 erstmals alle Bundesbürger gezählt worden. In vielerlei Hinsicht können wir uns damit den tatsächlichen Zustand der Gesellschaft bewusst machen.

Dass der Ausländeranteil beispielsweise um 1,1 Millionen – immerhin 15 Prozent – zu hoch angesetzt worden war, entspricht auffallend den weit verbreiteten Ansichten. So kann man jenen, die unter »Deutschland-schafft-sich-ab«-Panikattacken leiden, beruhigend auf die Schulter klopfen: Bleibt mal locker. Erst recht in Mitteldeutschland, wo in allen drei Bundesländern der Migrantenanteil weit unter dem Bundesdurchschnitt von neun Prozent liegt.

»Nach 1955 eingewandert« oder »ein zugewanderter Elternteil« – mit dieser Definition geben die Statistiker ganz nebenbei eine Anregung, darüber nachzudenken: Wer ist eigentlich Migrant? Auch die hier geborenen Mädchen und Jungen mit deutschem Pass?

Auch über die Religionszugehörigkeit herrscht etwas mehr Klarheit. Etwa zwei Drittel der Bundesbürger insgesamt sind Christen. In Mitteldeutschland sind es etwa 20 Prozent. Bei den anderen Religionen bleiben wir im Unklaren. Dass die Angaben darüber freiwillig waren, weil sie über die von der EU geforderten Daten hinausgingen, geht in Ordnung. Aber es künftig genauer zu wissen, wäre nicht schlecht.

Reizthema Homo-Partner: Knapp 34.000 eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gegen mehr als 18 Millionen Ehen. Die jüngste Volkszählung wäre also ein guter Anlass zu mehr Gelassenheit bei der Lebenspartnerschafts-Diskussion in der Landeskirche.

Tomas Gärtner

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