Eine Zusage im Nebel der Angst

linie13

Christus spricht: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Matthäus 11, Vers 28

Der Theologe Stefan Körner arbeitet im Archiv für christliche Popmusik des Liturgiewissenschaftlichen Instituts Leipzig.

Der Theologe Stefan Körner arbeitet im Archiv für christliche Popmusik des Liturgiewissenschaftlichen Instituts Leipzig.

Die Räder der Straßenbahn rattern. Ich hauche an die Scheibe und für einen kurzen Augenblick liegt ein kleiner Teil der Welt hinter einem Nebel. Langsam verschwindet der Schleier und ich sehe wieder die Gehwege meiner Stadt. Ohne eine bestimmte Absicht fahre ich bis zur Endhaltestelle. Es kommt mir wie ein schlechter Scherz vor, dass der Endpunkt dieser Linie hier in Halle »Frohe Zukunft« heißt. Mir ist nicht nach froher Zukunft. Irgendwie scheint ein Teil des Nebels, den ich an die Scheibe hauche, in mir zu sein.

Ich stochere darin, aber da ist nichts weiter als eine unbestimmte Angst: Vor einer Zukunft, in die ich nicht sehen kann, vor dem Scheitern, vor Verlust. »Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid«: Jesu Worte scheinen mir im Augenblick so fremd, so fern.

Aber doch klingt ihr Echo in meinem Herzen. Ich kann ihnen im Moment nicht glauben. Alleine will ich meinen Nebel lichten, ohne fremde Hilfe. Und doch lässt mich die Vermutung nicht los, dass ich es nicht kann.

Aber an der Haltestelle »Frohe Zukunft« beginnt die Ahnung einer anderen Zukunft zu wachsen. Einer Zukunft, in der Christus in mir Raum gewinnt. In der sich seine Worte in mir ausbreiten.

Ich ahne eine Zukunft, in der der lebendige Gott mir meine Angst nicht nimmt, sondern mich durch sie trägt. Aus dieser Zukunft höre ich, was es heißen kann, erquickt zu sein.

Eine Ahnung pflanzt sich in mich: Christus wird meinen Nebel lichten. Sein Wort verschleißt nicht, auch wenn ich noch zögere, darauf zu hören.

Ich bete, dass Christus bald in mir Raum gewinnt, dass sich seine Worte in mir ausbreiten, dass sie Lücken in meinen Nebel reißen. Bis ich spüre, was es heißt, erquickt zu sein.

Stefan Körner

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]