Platz fürs Wasser

hochwasserWasser ist Leben und Wasser macht Angst. Wasser erquickt und es lehrt uns das Fürchten. In den vergangenen Tagen haben das viele Menschen in Mittel- und Süddeutschland wieder hautnah erleben müssen. Während es an einigen Orten ans Aufräumen geht, fließt das Wasser andernorts nur sehr langsam ab.

Und so heißt es warten: bis die Elbe das Wasser von Moldau, Mulde und Saale nach Norden mitgenommen hat und wieder Raum ist für das, was sich vor deren Einmündungen noch ausbreitet. Und das Warten birgt Gefahren. Deiche können aufweichen, Dämme durch den anhaltenden Druck brechen.

Wo soll das Wasser auch hin? Mauern und Absperrungen, die für viel Geld gebaut wurden, haben mancherorts nichts gebracht. Die Natur ist stärker. Doch auch die Bauwut der Menschen ist ungebremst. Stimmen werden laut, die zum Beispiel die zunehmende Versiegelung von Flächen anprangern.

Muss denn ein Hof immer gepflastert sein, jeder Weg asphaltiert? Laut Statistischem Bundesamt gehen so täglich 81 Hektar naturbelassene Fläche verloren – und fehlen dann irgendwo als Versickerungsgebiet für Regenwasser.

Bekannt ist Vieles, was dem Wasser im Wege ist. Doch zwischen Erkenntnis und Handeln klafft offenbar noch immer bei vielen Menschen eine Lücke. Auch bei Politikern. Denn eigentlich strebt die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie an, die tägliche Inanspruchnahme neuer Siedlungs- und Verkehrsflächen bis zum Jahr 2020 auf durchschnittlich 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Das ist zwar eine geringere Zunahme als jetzt, aber in der Summe wird dann noch weniger Platz fürs Wasser sein. Und der nächste Dauerregen kommt gewiss nicht erst in 100 Jahren.

Christine Reuther


Foto: Bundeswehr/Bienert

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