»Mich ärgert die Einseitigkeit«

Pfarrer Lothar König demonstrierte schon gegen Neonazis, als sich die rechte Terrorzelle NSU in seiner Heimatstadt Jena gerade gründete – nun steht er vor Gericht. Und hat das Zeug zur Ikone. (Foto: Steffen Giersch)

Pfarrer Lothar König demonstrierte schon gegen Neonazis, als sich die rechte Terrorzelle NSU in seiner Heimatstadt Jena gerade gründete – nun steht er vor Gericht. Und hat das Zeug zur Ikone. (Foto: Steffen Giersch)

In Dresden steht mit Lothar König ein prominenter Pfarrer vor Gericht, doch die sächsische Kirchenleitung bleibt dazu stumm. Über die Gründe sprach Andreas Roth mit Oberlandeskirchenrat Klaus Schurig.

Klaus Schurig ist juristischer Dezernent im Landes­kir­chen­amt. (Foto: Giersch)

Klaus Schurig ist juristischer Dezernent im Landes­kir­chen­amt. (Foto: Giersch)

Herr Schurig, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland ist beim König-Prozess vor Ort, deren Bischöfin stellt sich hinter ihn – warum schweigt das sächsische Landeskirchenamt?
Schurig: Die Prozessbeobachtung durch unsere Nachbarkirche, deren Pfarrer vor Gericht steht, finde ich wichtig. Aber es handelt sich nicht um einen Pfarrer unserer Landeskirche.

In einem offenen Brief solidarisieren sich sächsische Pfarrer, Synodale und der Dresdner Superintendent mit Lothar König – macht sich die Landeskirche diese Position zu eigen?
Schurig: Als Meinungsäußerung ist die Unterstützung richtig, nicht aber die Form des offenen Briefes. Er verfolgt die Absicht, über die Medien Druck auf das Gericht auszuüben.

Die Unterzeichner des offenen Briefes sehen in Lothar Königs Verhalten bürgerschaftliches Engagement und die Ausübung von Grundrechten – sehen Sie das auch so?

Schurig: Grundrechte müssen austariert werden: Das friedliche Engagement von Lothar König ist geschützt – aber die Versammlungsfreiheit gilt auch denjenigen, deren Meinung wir für unerträglich halten. Die Frage ist, mit welchen Mitteln Aufmärsche verhindert werden und ob man sich durch Grenzüberschreitung dabei möglicherweise strafbar macht.

Kritiker des König-Prozesses sagen, Justiz und Staat seien in dieser Sache parteiisch.
Schurig: Ich halte die Justiz für unparteiisch. Aber auch die Polizisten aus verschiedenen Bundesländern sind am 19. Februar 2011 nicht deshalb nach Dresden gekommen, weil sie aus innerer Überzeugung einen Aufmarsch rechter Gruppierungen schützen wollten.

Lothar König und seine Unterstützer sprechen dieser Tage viel von Wut – sind Sie auch wütend?

Schurig: Mich ärgert allenfalls die einseitige Sichtweise. Das Gericht muss einen Vorgang aufklären, den die wenigsten aus eigenem Erleben beurteilen können. Die Unterstützer schließen allein aus der Kenntnis des Menschen Lothar König kategorisch aus, dass Strafgesetze verletzt sein könnten. Da sollte man zurückhaltender in der Bewertung sein.

Dieser Vorwurf träfe auch die Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland …

Schurig: Nein, die EKM tritt für die Person von Pfarrer König und sein Engagement ein. Das hat nichts mit einer Verteidigung konkret vorgeworfenen Handelns zu tun.

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