Das Leitbild Ehe darf nicht ausschließen

Eva Brackelmann leitet die Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen in Sachsen.

Eva Brackelmann leitet die Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen in Sachsen.

 

Um Bindungen geht es auch in der Debatte um das EKD-Papier zu Ehe und Partnerschaften – sie reißt nicht ab. Darüber sprach Andreas Roth mit Eva Brackelmann, der Geschäftsführerin der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen in Sachsen.

 

Frau Brackelmann, bei der Kritik an der Orientierungshilfe der EKD und ihrem Abschied vom alleinigen Leitbild der Ehe hat man das Gefühl, das christliche Abendland ginge unter.
Brackelmann:
Als evangelischer Familienverband in Sachsen, der gerade sein 20-jähriges Bestehen gefeiert hat, sehen wir eine Kirche, die diskussionsfreudig ist. Das ist gut. Untergehen wird gar nichts, wir entwickeln uns in dem Diskurs weiter und bringen Familienbilder und Familien­formen ins Gespräch.

Ist es denn tatsächlich so, dass Familien und Bindungen immer zerbrechlicher werden und die Kirche deshalb dem das Leitbild der Ehe entgegenhalten muss?
Brackelmann:
Wir sehen als Familienverband in Sachsen, dass Familien immer mehr unter Druck sind. Ob es die Sorge um den Arbeitsplatz betrifft oder die Frage, wie die Kinder zur weit entfernten Schule kommen. Die Frage der Sorgearbeit für die ältere Generation spiegelt sich auch in den Familien wider. Familie und Beziehungen müssen auch gepflegt werden, und das bedeutet Arbeit und Zeit.

Was kann denn die Kirche sonst noch für Familien tun, außer Leitbilder zu postulieren?
Brackelmann:
Kirche kann sehr viel tun, und sie tut ja auch schon eine Menge. Etwa in den Familiengottesdiensten oder in Gesprächskreisen für alle Familienformen. Es sollte deutlich werden, dass gerade die evangelische Kirche niemanden ausschließt und die Menschen so annimmt, wie sie sind.

Tut unsere Kirche, wie sie heute ist, schon genug für Familien?
Brackelmann:
Letztlich kann immer und überall mehr getan werden, dennoch müssen auch die Möglichkeiten vor Ort gesehen und berücksichtigt werden. Ehrenamtliche stemmen schon eine ganze Menge der Arbeit. Eine Möglichkeit sehe ich in der Erweiterung des Selbstbildes von Kirche hin zu einer Akteurin im kommunalen Raum. So könnten gute Netzwerke zu lokalen Einrichtungen geknüpft werden.

Welches Signal sendet die Kirche mit dem Leitbild Ehe den vielen ostdeutschen Familien, die unverheiratet, aber sehr treu und verlässlich zusammenleben?
Brackelmann:
Das Signal darf nicht als Ausschluss der gro­ßen Anzahl unverheirateter Paare verstanden werden. Wichtig sind die drei großen ›V‹: Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortungsübernahme in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]