Schwierige Beziehungskiste


Die EKD veröffentlicht ein Papier zur Ehe – und Sachsens Landeskirche distanziert sich davon. Was ist schief gelaufen?

 
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Das sächsische Landeskirchenamt fuhr gerade im Bus auf einem Betriebsausflug nach Prag, als die theo­logische Bombe platzte. Um nichts weniger handelt es sich bei der EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie, misst man sie an ihrer Wirkung. Die meisten Spitzen der sächsischen Landeskirche, die ohnehin wegen ihrer Haltung zu homosexuellen Partnerschaften zum Zerreißen gespannt ist, erwischte das Mitte Juni kalt.
 
Eine Ökumene aus bürgerlicher Presse, katholischen Bischöfen und konservativen Protestanten sind sich einig: Die evangelische Kirche verrät das Leitbild Ehe. In Wirklichkeit vollzieht das EKD-Papier eher eine Ausweitung des Leitbildes: Weg vom alleinigen Leitbild Ehe – hin zum Leitbild Familie, die in verlässlicher und verbindlicher Partnerschaft verantwortlich lebt. Das gilt auch für Paare ohne Trauschein und gleichgeschlechtliche Partnerschaften.
 
Als die öffentliche Empörung darüber überkochte, passierte etwas Seltenes: Mitglieder des Rates sagten öffentlich, dass sie die Dinge etwas anders sehen als das EKD-Papier. Sachsens Landesbischof Jochen Bohl, immerhin stellvertretender EKD-Ratsvorsitzender, ging auf Abstand zum erweiterten neuen Leitbild: »Wir sind davon überzeugt, dass die Ehe als Leitbild dem Willen Gottes für das Zusammenleben von Mann und Frau entspricht.«
Als das Dresdner Landeskirchenamt mit Protestschreiben geflutet wird, stellt man dort in einer Erklärung klar, dass die Landeskirche »unter Anerkennung anderer Lebensformen am Leitbild Ehe festhält«. Was ist bei so viel Dissonanz bloß schief gelaufen?

Alles begann, als der Rat der EKD vor drei Jahren angesichts der politischen und juristischen Tendenz zur Gleichstellung von ehelichen und nicht-ehelichen Lebenspartnerschaften seinen Standpunkt erneut bestimmen wollte. Für ein Papier dazu berief er eine 14-köpfige Expertenkommission unter Leitung der früheren Bundesfamilienministerin Christine Bergmann.

Drei Mal wurde das Papier im Rat der EKD diskutiert, mehrere Versionen musste die Kommission erarbeiten. Ein Problem war offenbar das theologische Fundament. Man hätte vielleicht einen »fachkundigen Bibelwissenschaftler« in die Kommission einbeziehen sollen, sagt der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider rückblickend in einem Zeitungsinterview. Fachkundige Soziologen und Kirchenfunktionäre gab es in ihr genug.

Im Herbst habe der EKD-Rat nur noch kleine Änderungen an dem Papier gewünscht, sagt der EKD-Sprecher Reinhard Mawick. Eine Gruppe von fünf Ratsmitgliedern, darunter die größten Kritiker und der Vorsitzende Schneider, hätten letztlich die Endfassung erarbeitet. Ratsmitglieder wie der stellvertretende Vorsitzende, Landesbischof Jochen Bohl, wollen sich nicht zu den internen Vorgängen äußern.

Dann geschieht etwas, was der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig gegenüber dem Sonntag »Ungeschicklichkeiten in der innerkirchlichen Kommunikation« nennt. Noch bevor die EKD ihre eigenen Landeskirchen über das Papier informiert, sickert es in kirchliche und säkulare Zeitungen durch.

Die Verwirrung nahm ihren Lauf.

Andreas Roth

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