Die guten Gaben richtig einsetzen

(c)_Lorenzo_Gonzalez

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.
Lukas 12, Vers 48

Auf erhobene Zeigefinger und auch auf gar noch christlich verbrämte moralinsaure Äußerungen reagiere ich allergisch; selbst wenn sie im O-Ton biblischer Texte daherkommen. Das, was Lukas, den ich als feinsinnigen Erzähler schätze, von Jesu Botschaft widergibt, klingt zunächst in meinen Ohren fragwürdig: Ist das hier eine Mahnung an alle Begabten, Fleißigen und Talentierten? Sollen sie angespornt werden, noch mehr zu leisten?

Werden die, die ohnehin schon alles machen, zusätzlich unter Druck gesetzt, damit sie sich noch mehr verausgaben? Dieser Eindruck könnte schnell entstehen. Gesagt wird aber vielleicht etwas ganz anderes. Geht es hier nicht viel mehr um die Verantwortung jedes Einzelnen? »Viel« steht meines Erachtens nicht unbedingt nur für »Menge«, sondern für das, wofür jeder in der Gemeinde zuständig sein kann: Wem Gespür für die Bedürfnisse anderer gegeben ist, bei dem wird Gastfreundschaft erwartet. Wer eine Botschaft hat, der rede. Wer begabt ist zu schweigen, der lehre andere. Lisbeth, die für siebzig Personen Kaffee kocht, ist mit dem, was sie da leisten kann, genau so gefordert wie Paul, der eine Woche für die Vorbereitung des JG-Abends gebraucht hat.

Der Wochenspruch soll wohl auch keine Drohung sein, sondern macht vielmehr deutlich, wie ernst Gott seine Mitarbeiterschaft, also uns, nimmt. Gabenorientiertes Arbeiten in der Gemeinde schafft eine große Entlastung und gibt Raum für Entfaltung von Fähigkeiten und für die Freude, sich am richtigen Platz zu fühlen. Gott vertraut mir, dass ich meine Gaben gut investiere. Deshalb kann ich das geben, was ich habe. Mehr muss es nicht sein; aber auch nicht weniger.

Caritas Führer

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