Franz nah

Papst Franziskus (Foto: Wikimedia/Agência Brasil)

Papst Franziskus (Foto: Wikimedia/Agência Brasil)

Die Sache ist beunruhigend: Sogar Journalisten, diese professionellen Nörgler, überbieten sich bei ihm in Zuneigung. Obwohl er von Sünde und Teufel spricht. Das Volk liebt ihn sowieso: Papst Franziskus, der beim katholischen Weltjugendtag in Rio de Janeiro wieder an die Seite der Armen und Suchtkranken trat. Alles nur römische Show, alles Gefühlsduselei?

Franziskus trifft eine globale Sehnsucht: Nach Repräsentanten, die den Graben schließen zwischen Verkündiger und verkündigter Botschaft. Bei der Botschaft von der Liebe Gottes ist dieser Graben besonders schmerzhaft. Auch in der evangelischen Kirche. Franziskus füllt ihn mit einem Lächeln und einer Umarmung.

Also künftig Fiat statt Mercedes, wie beim Papst? Ja, sagen da nicht nur katholische Kirchenfunktionäre und suchen nach einer Formulierung, die Franziskus nicht als naiv dastehen lässt: Wir brauchen doch die Limousinen als rollenden Arbeitsplatz – und sind das nicht überhaupt nur lässliche Äußerlichkeiten? Das Volk sieht es offenbar anders. Und hat nicht auch Jesus genau das getan, um seine Botschaft zu verkündigen: Er hat Zeichen gesetzt, äußerlich, irritierend und klar. Als naiv galt er vielen ganz sicher.

Was hindert uns eigentlich, als Kirche nicht nur mit ausgelagerten Sozial-Profis dort zu sein, wo die Ärmsten sind? So oft an ihren Tafeln zu sitzen wie bei den Empfängen der Mächtigen? Was hindert uns, mit Wärme und auf Augenhöhe mit ihnen zu sprechen? Was hindert uns, bei einer Tasse Tee den Flüchtlingen und Alleinerziehenden so lange zuzuhören wie den Vielrednern in all den Gremien? Mitzufühlen, zu ermutigen und zu handeln?

Es gibt viel, was uns hindert. Der katholische Bruder Franziskus sagt fröhlich: Man kann mit Gott über all diese Mauern springen – die Menschen warten auf diese Zeichen.

Andreas Roth

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