Kunst abgehängt


Die Einsparungen im Haushalt der Landeskirche haben weitreichende Einschnitte zur Folge – der Kunstdienst wird seine Ausstellungsarbeit nicht fortführen können.

Angelika Busse in der Ausstellung »Sehnsucht nach dem Paradies II«, die bis 4. August in der Dresdner Dreikönigskirche zu sehen war. Im Januar geht die Kunstdienstmitarbeiterin in den Ruhestand. (Foto: Steffen Giersch)

Angelika Busse in der Ausstellung »Sehnsucht nach dem Paradies II«, die bis 4. August in der Dresdner Dreikönigskirche zu sehen war. Im Januar geht die Kunstdienstmitarbeiterin in den Ruhestand. (Foto: Steffen Giersch)

Der Kunstdienst der sächsischen Landeskirche muss seine Arbeit mit Beginn des kommenden Jahres stark einschränken. »Ausstellungen zeitgenössischer Kunst wird es nicht mehr geben«, sagt Leiter Dr. Frank Schmidt. So habe es die Kirchenleitung beschlossen.

Seit Jahren organisiert der Kunstdienst wechselnde Expositionen und wird damit in der kulturellen Öffentlichkeit wahrgenommen, vor allem in Dresden, aber auch in Meißen, Chemnitz, Bautzen und Zittau. Die jüngste war Anfang Juli im Landeskirchenamt eröffnet worden. Für 2014 seien keine mehr geplant, so Schmidt. »Wir prüfen, ob wir vielleicht in Zusammenarbeit mit anderen kirchlichen Institutionen die eine oder andere Ausstellung organisieren können. Doch wenn überhaupt, dann nur in sehr reduziertem Umfang.« Denn die gesamte Arbeit des Kunstdienstes, wozu unter anderem die Betreuung des beweglichen kirchlichen Kunstgutes, die Beratung von Kirchgemeinden und die Gestaltung von Siegeln gehören, muss Frank Schmidt dann mit nur noch einem Mitarbeiter, mit Steffen Krüger, bewältigen. Die dritte Mitarbeiterin, Angelika Busse, geht Ende Januar 2014 in den Ruhestand. Sie war für die Ausstellungen verantwortlich. Die Stelle wird nicht neu besetzt.

Grund seien beträchtliche Kürzungen, sagt Oberlandeskirchenrat Jörg Teichmann. Seinem Dezernat, dem für Grundstücks- und Bauangelegenheiten, ist der Kunstdienst seit Frühjahr zugeordnet. Sparen müsse der Kunstdienst wie alle Werke und Einrichtungen der Landeskirche, um ein schon jetzt absehbares Loch, das Landeskirchenamt nennt es »strukturelles Defizit«, im landeskirchlichen Haushalt zu verhindern. 2013 kostet der Kunstdienst die Landeskirche rund 207 000 Euro. Bis 2020 soll er etwa 100 000 Euro einsparen – mit drei Mitarbeitern unmöglich.

Die Ausstellungen aufzugeben, hält Angelika Busse, die seit 1999 beim Kunstdienst arbeitet, für eine falsche Entscheidung. Die Landeskirche vergebe sich damit eine einmalige Chance. Zeitgenössische Kunst sei auch Ausdruck von Unaussprechlichem und Spiegel des Glaubens, meint sie. Der missionarische Anteil bei Ausstellungen sei nicht zu unterschätzen. Denn die Kirche öffne sich damit gerade für Kirchenferne und Menschen am Rande der Ortsgemeinden. Die Eröffnungen seien zum Treffpunkt einer »Kunstdienstgemeinde« von Künstlern und Interessierten geworden. Regelmäßig fänden sich dazu 80 oder mehr Menschen ein.

Sächsische Künstler forderten mit einer Unterschriftenaktion die Fortführung der Ausstellungsarbeit. Jürgen Schieferdecker, Vorsitzender des Dresdner Künstlerbundes, warnte in einem Beitrag für die Dresdner Neuesten Nachrichten (DNN), »dass damit ein wichtiges Agens der Dresdner Kunstszene verschwindet, das immer wieder mit Engagement und Professionalität im Haus der Kirche und in der Kreuzkirche die eher peinlichen Tatsachen unserer schönen neuen Welt in künstlerischer Reflexion präsentierte, die die Marktführer nicht jucken und sich kleinere kommerzielle Galerien aus Überlebensgründen verkneifen müssen«.

Wie und wo die verbleibenden zwei Mitarbeiter 2014 weiterarbeiten, dafür werde mit ihnen derzeit ein Konzept erarbeitet, sagte Jörg Teichmann. Zur Diskussion soll ein Umzug aus den Räumen unterm Dach der Dreikönigskirche ins Landeskirchenamt stehen. Teichmann bestätigte zumindest einen »Standortwechsel«.

Tomas Gärtner

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