Fleischlust und Fleischfrust

Das gab einen Aufschrei. Die Grünen wollten einen fleischlosen Tag pro Woche in Deutschlands Kantinen einführen. Nun gut, es ist Wahlkampf. Da gibt es manche schnelle Parole – aber auch manche schnelle Aufregung darüber.

Einen fleischlosen Tag zu proklamieren, ist ja zunächst nichts Schlimmes. Denn es ist bekannt, dass wir Deutschen viel zu viel Fleisch essen. Vier von zehn Frauen nehmen täglich Wurst oder Fleisch zu sich, bei den Männern sind es sechs von zehn.

Insgesamt liegt die durchschnittliche Menge an Fleisch, die wir jährlich essen, bei etwa 60 Kilogramm pro Kopf. Damit liegt Deutschland zwar im europäischen Mittelfeld, vor Ungarn und hinter Italien.

Aber gesund ist das trotzdem nicht, warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Sie empfiehlt, sich stärker von pflanzlichen Lebensmitteln zu ernähren.

Und außerdem verbraucht die Tierhaltung viel Land, viel Wasser, viel Energie – wenn man nur an die Transporte von Schlachtvieh quer durch Europa denkt. Und dann ist da noch die viel gescholtene Massentierhaltung: Alles nur wegen unseres Fleischhungers. Jüngste Opfer wurden etwa 50.000 Küken, die beim Brand einer Frachtmaschine auf dem Leipziger Flughafen vor kurzem qualvoll starben.

Nein, gesund für Mensch, Tier und Umwelt ist unser Fleischhunger nicht. Und manch Einer oder Eine ist noch groß geworden mit dem Brauch, dass es nur am Sonntag Braten gab. Schnitzel in der Wochenmitte war da gänzlich ungewohnt.

Daran immer wieder zu erinnern – das ist wichtig und hilfreich. Aber Essgewohnheiten zu verordnen oder gar zu verbieten, das ist der falsche Weg. Bei aller Sympathie für das Anliegen.

Christine Reuther

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