Was ist uns Syrien wert?

Coat_of_arms_of_SyriaEs gibt kein Zurück mehr. Kein Zurück vor die Bilder von den erstickten Menschen in Syrien, von den offenbar mit Giftgas ermordeten Kindern. Kein Zurück in den Zustand seliger Unwissenheit. Nun sind wir Mitwisser. Und fürchten, was der Dichter Matthias Claudius vor fast 240 Jahren schrieb: »Es ist leider Krieg – und ich begehre, nicht schuld daran zu sein!«

Lauter noch als das Entsetzen, lauter noch als das anhebende Kriegsgeschrei, ist im Westen die Ratlosigkeit. Selbst der US-amerikanische Präsident scheint von ihr erfasst. Der Westen hat, so scheint es, im Irak und in Afghanistan gelernt. Er hat aber auch noch etwas anderes gelernt, und das unterscheidet ihn von Russland und China: Es gibt eine Verantwortung auch für die Fremden, die gequält und gemordet werden. Es ist das Prinzip des barmherzigen Samariters. Hinter dieses Prinzip können wir nicht mehr zurück.

Genauso wenig aber hinter das Prinzip maximal möglicher Friedfertigkeit. Das Problem in Syrien ist nur: Hier scheinen auch diese beide Prinzipien im Krieg zu liegen. Dabei gibt es noch eine Chance: Der Hebel liegt in Russland. Wenn diese wichtigste Stütze des Assad-Regimes wegfiele, dürfte es nicht mehr lange überleben. Was würde passieren, wenn der Westen seinen Handel mit Moskau einfrieren oder nur etwas abkühlen würde? Dann wäre der Druck auf das gas-getriebene System Putin gewaltig.

Klar, das ginge auch an die Substanz unseres Wohlstandes. Nur müssen wir uns fragen lassen: Sind uns die Kinder in Syrien wirklich mehr wert als eine Träne vor dem Fernseher? Erst wenn wir diesen Preis bereit sind zu zahlen und auch er nichts hilft, dürfen wir über Krieg reden. Zusehen oder eingreifen: Schuldig werden wir so oder so.

Andreas Roth

Den ganzen Beitrag lesen auf: ⇒ DER SONNTAG [Sachsen]

Was ist uns Syrien wert?

Coat_of_arms_of_SyriaEs gibt kein Zurück mehr. Kein Zurück vor die Bilder von den erstickten Menschen in Syrien, von den offenbar mit Giftgas ermordeten Kindern. Kein Zurück in den Zustand seliger Unwissenheit. Nun sind wir Mitwisser. Und fürchten, was der Dichter Matthias Claudius vor fast 240 Jahren schrieb: »Es ist leider Krieg – und ich begehre, nicht schuld daran zu sein!«

Lauter noch als das Entsetzen, lauter noch als das anhebende Kriegsgeschrei, ist im Westen die Ratlosigkeit. Selbst der US-amerikanische Präsident scheint von ihr erfasst. Der Westen hat, so scheint es, im Irak und in Afghanistan gelernt. Er hat aber auch noch etwas anderes gelernt, und das unterscheidet ihn von Russland und China: Es gibt eine Verantwortung auch für die Fremden, die gequält und gemordet werden. Es ist das Prinzip des barmherzigen Samariters. Hinter dieses Prinzip können wir nicht mehr zurück.

Genauso wenig aber hinter das Prinzip maximal möglicher Friedfertigkeit. Das Problem in Syrien ist nur: Hier scheinen auch diese beide Prinzipien im Krieg zu liegen. Dabei gibt es noch eine Chance: Der Hebel liegt in Russland. Wenn diese wichtigste Stütze des Assad-Regimes wegfiele, dürfte es nicht mehr lange überleben. Was würde passieren, wenn der Westen seinen Handel mit Moskau einfrieren oder nur etwas abkühlen würde? Dann wäre der Druck auf das gas-getriebene System Putin gewaltig.

Klar, das ginge auch an die Substanz unseres Wohlstandes. Nur müssen wir uns fragen lassen: Sind uns die Kinder in Syrien wirklich mehr wert als eine Träne vor dem Fernseher? Erst wenn wir diesen Preis bereit sind zu zahlen und auch er nichts hilft, dürfen wir über Krieg reden. Zusehen oder eingreifen: Schuldig werden wir so oder so.

Andreas Roth

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