Sollten wir Gott loswerden?

© cbcs (sxc.hu)Nicht nur Politiker und Parteien können derzeit ins Kreuzfeuer harter Kritik geraten. Auch der Religion blies in der vergangenen Woche scharfer Wind ins Gesicht. Der bekannte indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie verkündete auf einem großen Literaturfest in Berlin: »Gott halte ich für eine lächerliche Idee.« Er hoffe, fügte er hinzu, dass sich der Atheismus weiter ausbreite.

Rushdies polemische Äußerung könnte getrost ignoriert werden, spräche daraus nicht eine weit verbreitete Meinung. Nicht zuletzt die breite Zustimmung in der Bevölkerung für ein Verbot der Beschneidung förderte eine allgemeine Religions-Antipathie zutage. Religion, so scheint es, wird vielfach als etwas Rückständiges angesehen. Als etwas, das leicht in Ressentiments, Fundamentalismus und Gewalt umschlage. Beschneidung, Kopftuch und Burkini sind vielen Menschen hierzulande ebenso suspekt wie Kreuze im Klassenzimmer und christliche Homosexualitätskritik. Auch taucht Religion in den Medien oft nur im Zusammenhang mit Krieg und Terror in aller Welt auf.

Salman Rushdie spricht aus einer persönlichen Betroffenheit heraus. Seit über zwanzig Jahren wird er von radikalen Islamisten mit dem Tode bedroht wegen eines Buches, das er geschrieben hat. Die Religion erlebt er als dunkle Bedrohung.

Nichtsdestotrotz läuft er Gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten und auch alle nicht-fundamentalistische Religiosität zu verteufeln. Er vergisst: Religion kann auch die Herzen und Hände beflügeln und eine positive Kraft für das Leben und die Welt sein. Ganz sicher sähe es düsterer aus in der Welt, gäbe es nicht unzählige Menschen, die aus ihrem Glauben heraus Gutes tun.

Es käme darauf an, zu erkennen, dass Gott eine frohe Botschaft hat.

Stefan Seidel

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