Tränen und Taten

© flickr.com/photos/palazzochigi/

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Es ist eine Tragödie unfassbaren Ausmaßes: Über 200 afrikanische Flüchtlinge sind vor der italienischen Küste ertrunken. In Lampedusa stapeln sich die Leichen derjenigen, die von der Schatten- auf die Sonnenseite der Welt gelangen wollten und nicht zuletzt aufgrund der rabiaten EU-Grenzsicherung untergingen.

Schnell werden in diesen Tagen Schuldige benannt: Die skrupellosen Schlepperbanden und die geringe Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge in der EU werden kritisiert. Doch das Problem sitzt tiefer.

Das Elend der Toten von Lampedusa offenbart die brutale Ungerechtigkeit der vom Westen dominierten Weltwirtschaft. »Die Flüchtlinge sind gestorben, weil die EU – Deutschland vorneweg – mit ihren global überlegenen Unternehmen und subventionierten Waren die afrikanischen und arabischen Ökonomien erfolgreich kaputt konkurrieren«, sagt der Diakoniewissenschaftler Arian Schiffer-Nasserie. Auch die Weltbank und der Internationale Währungsfond (IWF) seien durch ihre restriktive Finanzpolitik gegenüber den armen Ländern mitverantwortlich für das Elend auf dem schwarzen Kontinent. All diese globalen Profiteure haben mehr als eine Aktie an dem Flüchtlingsleid. Denn sie verhindern die Abschaffung der Fluchtursachen.

Doch zu ändern scheint sich daran auch nach der Katastrophe von Lampedusa nichts. Es ist so, wie Papst Franziskus vor kurzem in Lampedusa sagte: Wir sind in eine globalisierte Gleichgültigkeit gefallen und haben uns an das Leiden der Nächsten gewöhnt. Er bat um die Gnade der Tränen. Die Tränen sind unermesslich wichtig. Aber genauso wichtig ist eine gerechtere Weltwirtschaft. Denn die Toten von Lampedusa sind nicht einfach vom Himmel gefallen.

Stefan Seidel

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