Besonnen mitgehen – mit Gott


Es ist dir aber gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein.
Micha 6, Vers 18

Kathrin Wallrabe ist Gleichstellungsbeauftragte der sächsischen Landeskirche. (Foto: Matthias Oelke)

Kathrin Wallrabe ist Gleichstellungsbeauftragte der sächsischen Landeskirche. (Foto: Matthias Oelke)

Es klingt so einfach: Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein, das sind die Wege zum Guten. Fangen wir mit der Demut an: Sie ist weg, wenn man sie benennt, sich ihrer rühmt. Sie ist eine Haltung. Liebe zu üben verlangt Leidenschaft, macht angreifbar, verletzbar. Die Demut erscheint daneben als Geste der Dienstwilligkeit, des Zurücksteckens. Die Zwickmühle ist die Balance dieser Dinge. Zur Demut gehört der Mut, das Ich aus dem Zentrum zu nehmen ohne sich selbst zu vergessen.

Die Bibel in gerechter Sprache übersetzt: »… nichts anderes als Recht tun, Güte lieben und besonnen mitgehen mit Deinem Gott.«

Zu diesem Text hat die malaysische Künstlerin Cheryan Varghes für den Weltgebetstag der Frauen 2012 das Titelbild geschaffen. Drei Gestalten, die aussehen wie eine, ziehen eine Kniende empor. »Steht auf für Gerechtigkeit« so die Liturgie für diesen Tag.

Recht tun, solidarisch handeln, Engagement für andere zeigen, ist der Weg. Was du getan hast unter den Geringsten, das hast du mir getan.

»Besonnen mitgehen mit deinem Gott«, das klingt einladend. Gott ist nahe, nicht oben, nicht fern. »Gott, du Freundin der Menschen, lass mich nie ohne Freundin sein. Wir gehen zu zweit los, aber deinetwegen sind wir immer schon mindestens drei auf dem langen Weg zum Brot«, so schrieb Dorothee Sölle.

Von uns wird nichts Unmögliches verlangt, wir haben jeden Tag die Chance, mit Gott mitzugehen: besonnen, liebend und getragen. Das schafft ein Gefühl von Freiheit. Wir als Menschen müssen uns nicht mit Gott vergleichen, müssen nicht gottgleich werden, sondern sind Geschöpfe des Schöpfers, angewiesen auf seine Gnade.

Kathrin Wallrabe

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