Lehren aus Limburg

Bischof_Franz-Peter_Tebartz-van_ElstEin Bischof lügt, und Deutschland steht Kopf. Sondersendungen, Schlagzeilen, Stammtisch: Da scheinen sich Schleusen zu öffnen. Bricht sich am Beispiel des Limburger Oberhirten Tebartz-van Elst und seines 31 Millionen Euro schweren Hauses vielleicht auch ein angestautes Unbehagen Bahn? Ein Unbehagen gegenüber den deutschen, mit vielen Steuer- und Staatsmillionen weich gebetteten Großkirchen? Sicher ist: Da ist viel Wut, Unverständnis, Gefühl. Ganz viel Gefühl.

Eigentlich muss sich die Kirche – katholisch wie evangelisch – über die Debatte freuen. Denn die vielen Emotionen in ihr zeigen auch: Eigentlich erwarten die Menschen von der Kirche etwas, sie ist ihnen nicht egal. Sie haben ein Bild von einer Kirche, die bescheiden, glaubwürdig und ihnen nah sein soll. Vielleicht sogar eine Sehnsucht nach ihr. Das Entsetzen über den Limburger Bischof zeigt aber auch: Da ist eine Leerstelle. Nicht nur in Hessen.

Nicht erfreut, aber dankbar sein kann die Kirche auch für diese Mahnung aus Limburg: Seit es sie gibt, begleitet sie stets die Versuchung der menschlichen Eitelkeit, dass Glauben und Kirche nur als Podest für das eigene Ich benutzt werden. Und damit den anderen Menschen und Gott verfehlen. Das kann einem katholischen Bischof so gehen, aber auch einem evangelischen Kirchvorsteher.

Der Limburger Bischof stückelte die ausufernde Bausumme, bis sie ganz klein aussah. Das war seine Lüge. Die Methode des Stückelns aber ist auch uns nicht unbekannt: Große Herausforderungen wie die einer bescheidenen Kirche werden so lange durch den Fleischwolf gedreht, bis am Ende ganz kleine Münze herauskommt: Es geht nicht anders, als es heute ist. Auch das kann eine Lüge sein. Eine Lebenslüge.

Andreas Roth

Foto: Flickr

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