Wurst oder Marmelade?

fruehstueckIm Osten gibt es eher Brötchen, im Westen lieber Schwarzbrot zum Frühstück. Das ergab eine Studie des Instituts für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung aus Erfurt. Der MDR hatte das Institut dazu beauftragt.

Offenbar gibt es immer mal wieder Meinungsforscher, die nicht müde werden, Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland zu betonen. Der MDR mag seine eigenen Gründe haben, diese hervorzuholen. Es ist doch eher belustigend zu lesen, dass im Westen mehr herzhafte Brotaufstriche und im Osten neben der Marmelade mehr Frühstückseier gegessen werden.

Verallgemeinern kann man das, was ein paar Befragte zu Protokoll gegeben haben, sicher nicht. Zumal, wenn man weiß, dass die Verwandtschaft in Niedersachsen ebenso gern Marmelade auf die Frühstückssemmel – nicht aufs Schwarzbrot – streicht, wie mancher Sachse. Und ob Kaffee oder Tee – der im Westen mehr getrunken wird – ist wohl allerorts eine Geschmacksfrage.

Was aber wohl gar nicht abgefragt wurde: Ob überhaupt gefrühstückt wird. Wie viele Kinder kommen morgens hungrig in der Schule an, weil niemand sich die Zeit nahm, ihnen etwas Leckeres vorzusetzen. Wie viele junge Leute rennen mit dem Pappbecher in der Hand zur Straßenbahn. Dass sie erst dort zum ersten Schluck kommen, sagt ja auch etwas über ihre Frühstücks­gewohnheiten.

Doch ein gemeinsamer Frühstückstisch ist ein wichtiger Ort: für Gespräch und Abschied in den Tag. Damit die Kinder nicht nur gestärkt, sondern auch im Bewusstsein von Geborgenheit aus dem Haus gehen – vielleicht sogar mit einem Gebet. Das würde zwar in einer Umfrage sicher keine Rolle spielen. Aber es ist viel mehr wert als die Frage nach Wurst oder Marmelade.

Christine Reuther

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