Die Grenze der Heimat

asyl

Es brodelt in Deutschland. In Ost und West, in Stadt und Land erhitzen sich die Gemüter an Asylbewerbern, die immer mehr werden. Die Zuweisungen des Bundes auf die Landkreise steigen, innerhalb der Landkreise auf die entsprechenden Orte. Überall platzen die Asylbewerberheime aus den Nähten, sind die Kapazitäten ausgeschöpft. Doch der Strom an Flüchtlingen reißt nicht ab, sondern wird größer. Neue Heime müssen her.

Dass es da zum großen Krach kommt, ist nur eine Frage der Zeit. Einerseits knallt es innerhalb der Flüchtlingsheime. In der sächsischen Erstaufnahmestelle in Chemnitz vor wenigen Wochen gab es Krawalle mit zahlreichen Verletzten. In Schneeberg, wo eine Zweigstelle der Chemnitzer Einrichtung eröffnet wurde, soll ebenfalls die Gewalt an der Tagesordnung sein.

Zum anderen aber fegt ein Proteststurm der Einheimischen gegen neue Flüchtlingsunterkünfte durchs Land, als ob es um Endlager für radioaktiven Abfall ginge. Die Ängste gegenüber Fremden sitzen tief und müssen ernst genommen werden.

Es sind nicht nur NPD-Anhänger, die sich bei Kundgebungen gegen Asylbewerber aussprechen. Es hilft wenig, deren Vorurteile einfach abzutun als rechte Gesinnung. Die Grenze zwischen Heimatverbundenheit und Fremdenfeindlichkeit ist fließend. Nur wer sich ernst genommen fühlt, wird auch in eine Diskussion über die Notwendigkeit neuer Unterkünfte einsteigen.

Doch solange keine neuen Wege in der Asylpolitik gegangen und Entscheidungen auf nächstes Jahr vertagt werden, solange müssen die Menschen vor Ort mit den Problemen allein fertig werden, fühlen sich im Stich gelassen.

Die Lage ist kritisch! Und Entspannung scheint weder in den Heimen noch auf der Straße in nächster Zeit in Sicht.

Uwe Naumann

 
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