Angst vor dem Minarett


In Leipzig wird über den ersten Neubau einer Moschee gestritten – in einer Kirche.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (l.) diskutiert in der Michaeliskirche bei einem Informationsabend zum Moscheebau mit Abdullah Uwe Wagishauser (2. v. r.), Bundesvorsitzender der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinden. (Foto: Armin Kühne)

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (l.) diskutiert in der Michaeliskirche bei einem Informationsabend zum Moscheebau mit Abdullah Uwe Wagishauser (2. v. r.), Bundesvorsitzender der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinden. (Foto: Armin Kühne)

Sie wäre die achte Moschee in Leipzig. Doch um das Gebäude, das die Ahmadiyya-Gemeinde im Stadtteil Gohlis bauen möchte, ist in der Messestadt ein Streit entbrannt. Denn während die bestehenden sieben islamischen Gotteshäuser in Wohnungen und Hinterhöfen kaum oder gar nicht zu erkennen sind, soll die achte Moschee ein Neubau werden. Damit hätte Leipzig das erste Minarett in Sachsen. Ein Informationsabend der Stadt Leipzig in der Michaeliskirche vergangene Woche sollte Klarheit bringen.

Das Interesse war groß. Zu groß für die immerhin 550 Plätze im Kirchenschiff der Michaeliskirche. Die Emporen blieben aus Sicherheitsgründen gesperrt, weshalb einige Menschen verärgert vor der Kirchentür warten mussten. Sicherheitspersonal bewachte die Eingänge. Drinnen stellte der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat (AMJ), Abdullah Uwe Wagishauser, seine Glaubensgemeinschaft und das Moscheeprojekt vor.

»Es ist eine kleine Moschee, kein Protzbau«, sagte Wagishauser zum Vorhaben. Es gehe um ein Gebetshaus für die 70 Mitglieder in Leipzig und um kein Kulturzentrum. In ganz Deutschland zähle die Ahmadiyya etwa 35 000 aktive Mitglieder, davon seien 80 Prozent deutsche Staatsbürger. Die Gemeinschaft finanziere sich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, engagiere sich für den Staat, in dem die Gläubigen jeweils leben und sei überall um gute Nachbarschaft bemüht. Auch die Gleichstellung von Mann und Frau sei kein Problem.

Die Moschee sei offen für Gäste und biete Gottesdienst in Urdu und Deutsch. Und von den zwölf Meter hohen Minaretten gebe es keine Gebetsrufe, beteuert Wagishauser. Trotzdem stehe die AMJ im »Wettbewerb der Religionen«, so der Vorsitzende. »Der Islam ist die wahre Religion«, meint er in der Kirche. »Doch Allah ist der Gott der Christen und Muslime«, sagt Wagishauser und versucht zu beruhigen.

Viele Zuhörer allerdings befürchten mit der Moschee Unfrieden, eine schleichende Islamisierung. Sie wollen das Projekt stoppen, sie schimpfen. Als Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) nur baurechtliche Maßstäbe für die Genehmigung gelten lässt, werden »Wir sind das Volk«-Rufe laut.

Der Pfarrer der Michaeliskirche, Ralf Günther: »Wir nehmen die Ängste und Sorgen sehr ernst. Ich möchte nicht, dass Menschen, die Fragen haben, in die rassistische Ecke gestellt werden. Aber die Moschee wird eine Bereicherung sein und die Ökumene beleben.«

Uwe Naumann

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